Das Lebensphasenmodell: #Vereinbarkeit neu gedacht – zur Blogparade #worklifefamily von #Scoyo

 Die Familien sind unter Druck und bekommen wenige Kinder.

Verfolgt man die Vereinbarkeits-Diskussion, könnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe zur Zeit nur Familien, die am Rande eines Burnouts einen irrsinnigen Spagat zwischen Kindern, Beruf, gläserner Decke, umfassender Kinderbetreuung, Ganztagsschulen, Gender-Pay-Gap, ADHS, Trennung und Scheidung in einem verzweifelten Lebenskampf mit ewig schlechtem Gewissen versuchen.

Der Rest der Bevölkerung geht in den Zeugungs- und Gebärstreik!

Es gibt jedoch noch viele Beispiele für andere Biographie-Modelle, jenseits vom Heimchen am Herd, jenseits von rückwärts gewandten Frauen von gestern, die  dem „Eva-Prinzip“ verfallen und damit automatisch in eine politisch rechtsaußen-konservative Ecke gestellt werden. Was hat die Form, wie man sein Leben mit Familie und Kindern gestaltet mit politischer Ausrichtung zu tun? Nichts, aber auch rein gar nichts!

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, welches wirklich nur bei dem „Familien-Thema“ zu beobachten ist: in trauter, sonst bei keinem Thema üblichen Einigkeit wird von Eltern parteiübergreifend gefordert, ihre Kinder so schnell wie möglich in eine (Fremd)-Betreuungssituation zu bringen, um möglichst keinen Tag als Erwerbstätiger zu fehlen.

Die staatliche Unterstützung prallt an der Geburtenrate ab.

Der Staat lässt sich einen Betreuungsplatz ca. 1500 Euro pro Monat kosten. Eltern, die sich gegen einen solchen Platz entscheiden, haben nicht die Wahl in einem anderen, selbst gewählten Familienmodell vom Staat adäquat unterstützt zu werden. Für Kinderbetreuung gibt es in unserem Land nur Geld für diejenigen, die nicht ihre eigenen, sondern nur fremde Kinder betreuen und diese werden obendrein schlecht bezahlt!

Was lässt das für Rückschlüsse zu?

Einerseits ist das ein riesengroßes Misstrauensvotum gegen alle Eltern hinsichtlich ihrer Erziehungskompetenz – die ja auch gestärkt werden könnte.

Andererseits fürchtet sich der Staat auf kurzsichtige Weise um die Produktivität in unserem Land: Bei ständig sinkender Bevölkerungszahl, müssen auch Mütter lückenlos weiterarbeiten… – nur, wer soll dann noch die Kinder bekommen, möglichst viele Kinder bekommen, damit die demographische Katastrophe abgewendet werden kann?

Ein dritter Aspekt ist auch nicht zu unterschätzen: In der DDR gab es für jedes Kind Betreuungsplätze, lückenlos, rund um die Uhr, ja sogar Wochenkrippen. Was steckte wirklich dahinter, ideologisch dahinter?!? Der Staat hatte ein großes Interesse daran, die Kinder im eigenen Sinne zu erziehen und möglichst früh dem zu starken Einflussbereich der Familie zu entziehen. Das ist einleuchtendes und weit verbreitetes Phänomen bei totalitären Staatssystemen, die „gehorsame“ Bürger brauchen…

Wir brauchen keine „gehorsamen“ Bürger – wir brauchen mündige Bürger, die eigenverantwortlich denken und handeln. Wir brauchen endlich Politiker, die sich als unsere Dienstleister verstehen und in unserem Sinne handeln – wofür wir sie auch schließlich gewählt haben. Nicht die Politik sollte die Richtung vorgeben, sondern wir alle!

In diesem Sinne zu meinem persönlichen Weg:

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Als Akademikerin mit vier Kindern, gehöre ich in Deutschland zu einer statistisch irrelevanten Minderheit. Zu einer Minderheit, die so klein ist, dass es dafür keinen Wert beim statistischen Bundesamt gibt. Von den Akademikerinnen meines Jahrgangs sind fast 40% Prozent kinderlos – eindeutig keine Minderheit.

Für mich ist mein von mir selbst gestalteter und stetig wachsender „Clan“ der wichtigste und auch der zeitintensivste Faktor in meinem Leben. Ich hatte das Glück frei wählen zu können, wie ich mir mein Leben einteile. Dabei habe ich jeweils in der Situation, die eine Entscheidung verlangte, immer mein ganzes Umfeld im Bewusstsein gehabt.

Ich weiß, wie sich die Zerrissenheit zwischen Beruf und Familie anfühlt, habe ich doch in Schwangerschaft und Babyjahr ein Staatsexamen in Jura gemacht und im Referendariat eine Fehlgeburt gehabt und das zweite Kind bekommen.

Unsere Familie lebt von unseren Familienunternehmen, die 100%igen Einsatz verlangen. Hätte der Vater unserer Kinder Elternzeit genommen, hätte das Unternehmen mindestens großen Schaden genommen, wenn es denn überlebt hätte.

Ich habe mich eindeutig positioniert: als Familienmanagerin. Mit wenig Kindergarten, ohne Ganztagsschule, viel individuellem Engagement der Kinder außerhalb der Schule mit Sport und Musik u.a. – und sehr viel Einsatz für unsere Familie.

Bei uns gab es bis zum Abitur der Kinder jeden Tag ein gesundes Mittagessen. Wir haben viele Projekte, auch mit den Kindern aus unserem Umfeld, gemacht. Nebenbei habe ich mich kontinuierlich weitergebildet – als Freund lebenslangen Lernens.

Mein Hauptanliegen und mein Hauptberuf war für 25 Jahre meine Familie. Das habe ich durchaus als Luxus empfunden, in großen Teilen sehr genossen, aber auch sehr viel gearbeitet – ich habe mich immer als sehr selbständig, kreativ, unabhängig und als sehr emanzipiert empfunden. In diesen arbeitsintensiven Jahren habe ich unendlich viel in unterschiedlichsten Bereichen gelernt und Kompetenzen erworben, die vielseitig nutzbar sind.

Vor einiger Zeit habe ich mich als „Mompreneur“ selbstständig gemacht, mit großen Plänen und viel Elan, denn ich bin sehr gut trainiert für Tätigkeiten, die enormen Einsatz und viel Durchhaltevermögen erfordern.

„Vereinbarkeit“ im neuen „Lebensphasenmodell“:

Das Thema „Vereinbarkeit“ ist bei mir auf mein ganzes Leben reflektiert zu sehen: in den verschiedenen Lebensphasen habe ich mich den jeweils aktuellen Themen ganz gewidmet. So lebe ich ein neues  Lebensphasenmodell: in den verschiedensten Lebensabschnitten „vereinbare“ ich unterschiedlichste Tätigkeitsfelder, nacheinander, nicht gleichzeitig. Dieses Rollenmodell liebe ich sehr und bin sehr dankbar für die Möglichkeit es so realisieren zu können.

Wir alle haben eine sehr hohe Lebenserwartung und es besteht kein Grund dafür,  alle wichtigenThemen gleichzeitig in der „Rush-Hour des Lebens“ bewältigen zu müssen. Echte Wahlfreiheit für neue Lebensphasen-Modelle wäre eine wirksame „Burnout Prophylaxe“ und würde sicher dazu beitragen die Geburtenrate in unserem Land wieder anzuheben. Dazu brauchen wir u.a. neue Renten- und Steuersysteme, die verstärkt die Kinderzahl berücksichtigen und „Familienarbeit“ belohnen und wertschätzen.

Teilt man das Leben in Abschnitte, so kann man grob sagen:

  1.  Wir brauchen ca. 25 Jahre, um aufzuwachsen, die Ausbildung halbwegs abzuschließen;
  2. In weiteren 25 Jahren können wir, wenn wir das wollen, viele Kinder bekommen und erziehen und uns ihnen so intensiv widmen, wie wir das wünschen und schaffen;
  3. Die nächsten 25 Jahre reichen – je mach Bedarf und Fähigkeit – für eine (auch hochkarätige) Kariere;
  4. Die Jahre, die übrig bleiben (vielleicht noch einmal 25 Jahre) reichen aus, um stolz auf sein Leben zurückzublicken. – Wir sind dann nach der Statistik immer noch länger Rentner, als dies jemals zuvor in der Geschichte der Fall war…

Das Max-Planck-Institut für Demgraphie in Rostock hat als praktikables Renteneintrittsalter 72 Jahre errechnet – bei der Leistungsfähigkeit unseres jetzigen Rentensystems…

 

Wie denkt Ihr darüber – was seht Ihr für Lösungsansätze? Ich freue mich über Kommentare dazu!

Wer noch weitere Beiträge zu der Blogparade zum Thema #worklifefamily und #Vereinbarkeit von #scoyo lesen möchte, findet sie gesammelt bei großekoepfe.

 

Artikel von

4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

6 Kommentare

  1. Claudia
    Claudia at | | Rückmeldung abgeben

    Im Großen und Ganzen stimme ich dem zu, obwohl ich keine 25 Jahre für die zweite Phase aufwenden werde. Mit selbst ungefähr 50 Jahren sollte der Nachwuchs längst seinen eigenen Weg gehen. Was mich ärgert, ist der ewige DDR-Terror. Ich komme von da. Mit Kindergarten-Hort und Schulhort. Ich empfinde darüber keinerlei Mangel. Im Gegenteil, ich finde es eher bereichernd. Man muss das nicht verdammen und gleich politisieren.

  2. Ilse Maria Lechner

    Ich selbst habe ein ähnlihces Modell gewählt. Ich war fast 12 Jahre ausschließlich Familienmanagerin und habe in dieser Zeit auch den Um- und Ausbau unseres Hauses organisiert.

    Trotz allem würde ich es heute anders machen. Ich würde mich nicht ganz so perfektionistisch auf die Familie konzentrieren. Ich weiß heute, dass es durchaus ausgezeichnete Betreuungsplätze gibt und solch würde ich mir suchen. Auch auf die Gefahr hin, dass eine Zeit lang mein ganzer Verdienst für die Kinderbetreuung aufgeht. Denn ich habe erfahren, dass der Wiedereinstieg nicht so einfach war, wie ich mir das gewünscht hätte.

    Ich bin daran gewachsen und bin zu der geworden, die ich heute bin. Genau deshalb bin ich für Wahlmöglichkeit und nicht für die Kritik an einem oder dem anderen Lebensmodell. Jede Frau sollte frei entscheiden können und nach dieser Entscheidung auch nicht Anfeindungen ausgesetzt sein.

    Ich bin überzeugt: Jede Mutter will das beste für ihr Kind und sie hat gleichzeitig das Recht gut für sich zu sorgen. Denn zufriedene Mütter haben zufriedene Kinder.

  3. Mimi
    Mimi at | | Rückmeldung abgeben

    Wohl dem, der sich dieses Modell leisten kann. Mein Mann und ich gehen beide arbeiten um unser Leben finanzieren zu können. Wie leben gut, aber ohne Luxus und erst recht nicht mit eigenem Haus um dieses managen zu können…

    Und zum Thema DDR: Auch ich entstamme diesem Modell. Ich habe sicher nicht alle Seiten davon kennengelernt, da die Wende mit Abschluss der Schule kam. Jedoch kann ich beurteilen, wie selbstständig und eigenverantwortlich wir als 5- oder 6-klässler wir waren und wie ich es heute oft wahrnehme… Auch haben wir unsere außerschulischen Aktivitäten frei wählen können und dabei trotzdem noch viel freie Zeit zum Spielen gehabt. Insgesamt sehe ich mich nicht benachteiligt in einem solchen Schulsystem innerlich und äußerlich gewachsen zu sein. Ich habe mich sehr viel freier gefühlt damals als manchmal heute mit dem Druck, perfekt zu funtionieren: sei es im Beruf, in der Familie, für die Schule etc…

  4. Vereinbarkeit ist KEIN Nischenthema: das Ende der Blogparade #Worklifefamily – bilder.grossekoepfe.com

    […] entscheidend ist.  Seitdudabist sucht noch die Lösung für das schlechte Gewissen. Motherbook schreibt, dass man doch gar nicht so hetzen muss und beschreibt ihren sehr eindrucksvollen […]

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