Babywelt Messe – von Freebies, Produkten und Unsicherheit

Letzte Woche war das erste Mal seit 2008 die bekannte Babywelt Messe auch wieder in Berlin zu Gast. Wir hatten dort für maternita einen Stand und konnten drei Tage lang beobachten wer da so durch die Hallen der Arena läuft und was den werdenden und wachsenden Familien geboten wird.

 

Grundsätzlich war die Messe eine tolle Erfahrung und mit 10.000 auch wirklich gut besucht. Allerdings sind einige Dinge besonders aufgefallen, die ich doch sehr bedenklich finde.

 

Man konnte schnell sehen, wo es Freebies gab, denn da strömten die Massen hin. Die Schnullerkette hier, Kuschetier da, die Babybox dort. Ich freue mich natürlich auch, wenn ich was geschenkt bekomme. Aber der Ansturm auf alles, was auch nur im Ansatz so aussah, als könnte man es kostenlos mitgehen lassen, wurde abgegriffen und das teilweise auf unverschämte Art und Weise. Neben den vielen Giveaways gab es Produkte, Produkte, Produkte. 100 verschiedene Kinderwagen, 50 neuartige Nuckel, noch sicherere Kindersitze und überhaupt haben etwa die Hälfte der Messestandbesitzer aus der Babywelt eine reine Verkaufsaktion gemacht. Das fand ich sehr schade. Denn was man hier beobachte, zeichnet folgendes Bild: Werdende und frischgebackenen Eltern geben so unglaublich viel Geld für Dinge aus, die sie in der Hand halten können. Nicht selten gibt es zwei Stillkissen, einen extra Kinderwagen für das Auto und Schränke voller Kleidung.

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Wenn es aber darum geht, Mutter, Vater und Kind im Prozess der Geburt und Zeit danach unterstützen, wird gerne an jeder Ecke gespart. Hebammen, Mütterpflegerinnen, Doulas, Stillberaterinnen Heilpraktikerinnen etc. waren nur spärlich vertreten. Und auch im Alltag außerhalb des Messegeländes wird für solche Dienstleisungen nicht gerne Geld ausgegeben. Immerhin muss doch alles wichtige die Krankenkasse bezahlen und was sie eben nicht bezahlt, braucht ja man auch nicht. Statt privat in dafür aufzukommen, wird lieber abgestillt oder eine traumatische Geburt wird in Kauf genommen Hauptsache das Kind ist schick gebettet und wird stylisch spazierengeschoben.

 

Wenn man jedoch mit den Frauen (und teilweise auch Männern) ins Gespräch kommt, merkt man schnel,l wie viele Fragen und Ängste sie haben. Wie ist das mit dem Elterngeld und der Elternzeit, welche Rechte habe ich, wer kümmert sich um mich, wenn es mir nicht gut geht, was mache ich wenn es mit dem Stillen nicht klappt.

 

Ich habe die Hoffnung, dass sich in Zukunft werdende und wachsende Familie die Hilfe holen, die sie brauchen, ihnen nicht nur Materielles sondern auch kostbare Dienstleistungen etwas Wert sind.

PS: Ja, und wenn es dann noch mehr lokale Anbieter die Messe ein wenig aufmischen, dann kann das eine richtige gute Veranstaltung werden. Immerhin machen die ja Berlins ganzen Charme aus.

 

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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