Betreuungsgeld in den Medien – und was sagen die betroffenen Eltern?

Betreuungsgeld – Motherbook®

Worum geht es:

Eine sehr umstrittene Studie, sowie ein Datensatz des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass das Betreuungsgeld besonders „bildungsferne“ Familien bzw Familien mit Migrationshintergrund davon fernhält ihre Kinder in eine Kita zu stecken.

Wir haben uns umgesehen, was die Medien dazu sagen und die wichtigsten Aussagen zusammengefasst:

 

ZEIT: (…)Es gibt daher vermutlich bessere Möglichkeiten, die für das Betreuungsgeld reservierten Milliarden auszugeben. Gleichzeitig sollte man die negative Wirkung des Betreuungsgeldes auch nicht dramatisieren. (…) Die vielen Ausländer, die laut Statistischem Bundesamt das Betreuungsgeld überdurchschnittlich schätzen, sind nicht grundsätzlich Eltern mit Integrationsproblemen. (…)Damit sich die Chancen für Kinder aus bildungsfernen Familien verbessern und die Betreuungsqualität in Deutschland nicht zu sehr auseinanderklafft, sollte den Kommunen ein größerer Teil der Kosten vom Bund abgenommen werden.

Quelle: FAZ

 

SZ: „Betreuungsgeld erweist sich für Familien besonders attraktiv, die eine geringe Erwerbsbeteiligung aufweisen, durch eine gewisse Bildungsferne gekennzeichnet sind und einen Migrationshintergrund haben“, heißt es in der Studie. Nun ist es offenbar aber nicht so, dass Eltern nicht-deutscher Herkunft die Bedeutung frühkindlicher Erziehung in Kitas nicht zu schätzen wissen. Im Westen Deutschlands, wo die große Mehrheit der Zuwanderer lebt, wünschen sich Eltern mit Migrationshintergrund häufiger einen Kita-Platz als deutschstämmige. Am Ende aber, wenn die Plätze vergeben sind, besuchen Einwandererkinder seltener eine Kita als Kinder deutscher Eltern. Ob Zuwandererkinder weniger gern genommen, also diskriminiert werden, oder ob ihre Eltern sich im Gerangel um einen Kita-Platz nicht durchsetzen können, lässt die Studie offen.

Quelle: Süddeutsche

 

TAGESSPIEGEL: Statistik ist ein gefährliches Ding – erst recht, wenn sie sich mit Rechenschwäche paart. Am Wochenende hat eine neue Studie zum Betreuungsgeld in der Republik die Wogen hochgehen lassen; auch der Tagesspiegel hat darüber breit berichtet. Die Studie des Forschungsverbunds der Technischen Universität Dortmund und des Deutschen Jugendinstituts München kommt zu dem Schluss, dass das Betreuungsgeld gerade bei solchen Familien die Neigung erhöht, ihre Kleinkinder zu Hause zu erziehen, denen nach Meinung der Kritiker der Leistung ein früher Aufenthalt in einer Kita am besten bekommen würde: arme Familien, Eltern mit niedrigem Bildungsabschluss, Migranten. Das ist an sich nicht besonders überraschend. Migranten und weniger Betuchte finden auch objektiv schwerer einen Betreuungsplatz, und wer wenig Geld in der Haushaltskasse hat, für den sind 100, demnächst 150 Euro im Monat viel Geld. Doch eine Zahl in der Fassung der Studie im Auftrag des Familienministeriums, die von interessierter Seite verbreitet wurde, schien aus der Binsenweisheit einen hochalarmierenden Befund zu machen: Jede zweite der Familien, in denen die Eltern gar keinen oder nur einen Hauptschulabschluss hatten, hätten die Frage bejaht, dass für sie das Betreuungsgeld das Motiv für den Kita-Verzicht sei – mit höherem Bildungsabschluss sinke dieser Anteil auf bis zu acht Prozent ab. (…) Die 54 Prozent fanden republikweit rasant Verbreitung. Merkwürdigerweise taucht sie in den Tabellen der Forscher nirgends auf. Dort standen allerdings zwei andere Zahlen: 31,2 Prozent der Befragten ohne Schulabschluss nannten das Geld als ihr Hauptmotiv, das Kind daheim zu erziehen, und 22,6 Prozent der Hauptschul-Absolventen. (…)Hatte sich da also jemand hochnotpeinlich in den Grundrechenarten verirrt? Am Montag Nachmittag kam die stillschweigende Antwort: Ja.

Quelle: Tagesspiegel 

 

FAZ: Hamburg klagt vor dem höchsten deutschen Gericht gegen das Betreuungsgeld. Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) sagte angesichts der neuen Untersuchung, dass sich gerade bei der Sprachförderung zeige, „wie wertvoll die Betreuung und Bildung in einer Kita ist“. Die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer (CSU), wies die Kritik dagegen zurück. „Bei Ein- und Zweijährigen eine Besser-/Schlechter-Diskussion zwischen Elternzuwendung und Kita anzuzetteln, ist ein ideologischer Tiefschlag sondergleichen gegen alle Eltern von Kleinkindern“, sagte die Politikerin, die immer vehement für das Betreuungsgeld eingetreten war.

Quelle: FAZ

 

Wir würden uns sehr freuen, wenn möglichst viele Motherbook–Leser ihre persönliche Meinung zum Betreunngsgeld äußern würden…

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

Hallo,
Bitte hinterlassen Sie uns einen Kommentar.

Die Motherbook-Autoren versuchen, alle unerwünschten Beiträge fernzuhalten. Trotzdem ist es uns nicht möglich, alle Beiträge zu überprüfen. Motherbook kann deshalb nicht für den Inhalt der Beiträge verantwortlich gemacht werden. Jeder Nutzer trägt für seine Beiträge die Verantwortung. Wir weisen darauf hin, dass Beiträge, die gegen geltendes Recht verstoßen, auch im Internet der Strafverfolgung unterliegen und zur Anzeige gebracht werden können.

Kommentar hinterlassen

css.php