Bilder von ertrunkenen Flüchtlingskindern – sind sie pietätlos oder rütteln sie uns endlich wach?

Gestrandetes Flüchtlingsboot – Motherbook®

In der Nacht zum letzten Samstag konnte ich nicht schlafen, nachdem ich unbeschreiblich schreckliche Fotos von ertrunkenen Flüchtlingskindern auf Facebook gesehen hatte – ich war in einer Art „Schockstarre“, mir war übel und in meinem Inneren rebellierte alles: wie ist es möglich, dass diese kleinen unschuldigen Wesen und ihre Familien ein so unfassbar grausames Schicksal erleiden mussten!

Es kann nicht sein, es darf nicht sein und es darf nie wieder vorkommen… das ist die Reaktion, die mich wie eine Lawine überrollte. Nach einigen inneren Kämpfen mit mir habe ich mich entschlossen diese Fotos auf meiner MOTHERBOOK-Facebook-Seite zu teilen, versehen mit einem Kommentar, der meine innere Zerrissenheit zu diesem Thema deutlich zum Ausdruck brachte. Auch Nestling hat sich, wie ich, zu diesem absolut grenzwertigen Schritt entschlossen und im Nachhinein darüber einen selbstkritischen und nachdenklichen Beitrag geschrieben: Von Liebe und Respekt (und dem Mut Fehler zu begehen).

 Es entflammte sofort ein Ansturm heftiger Reaktionen und eine Kommentarflut auf unseren Facebook-Seiten, die auch meine innere Zerrissenheit in dieser Frage spiegelten. Jeder, der solche Bilder sieht, ist in seinem Innersten tief geschockt. Jeder, der solche Bilder sieht, kann nicht mehr „wegsehen“, wenn er von den Tragödien hört, die im Zusammenhang mit den Flüchtlingsschicksalen geschehen.

Unter den Kommentaren waren viele, die zwar geschockt waren, aber durchaus verstanden haben und auch billigen konnten, dass ich Schritt gewagt hatte die Bilder zu verbreiten und mit mir die Auffassung teilten dadurch endlich so aufgerüttelt zu werden, dass es keine Ausreden mehr geben kann, nichts für das Fluchtlingsproblem zu tun. Auf der anderen Seite wurde hrausgestellt, es sei unvertretbar und pietätlos solche Bilder zu veröffentlichen und mein Handeln wurde auf das heftigste kritisiert….

Für mich war von Anfang an klar, dass mein Entschluss zur Verbreitung der Bilder absolut grenzwertig war – ich stehe aber dazu, auch wenn es möglicherweise ein Fehler war. Wegtauchen und nichts machen ist aus meiner Sicht noch weniger gut. Die Verantwortung auf andere zu schieben und nur an die Politiker zu delegieren ist zu bequem. Wir alle sind gefragt, aktiv zu werden und auch der letzte sollte wach gerüttelt werden.

„Gewöhnlich ist ein Leichnam ein stummes unansehnliches Ding. Es gibt aber Leichen, die lauter reden als Posaunen und heller leuchten als Fackeln.“

Rosa Luxenburg

 Diese Kinder sind unwiederbringlich tot – das hätte niemals geschehen dürfen. Wenn die Bilder wenigstens den Sinn haben, dass sich endlich die Weltgemeinschaft in der Pflicht sieht, aktiv gegen die Ursachen für solches Leid anzugehen, hat sich aus der Verbreitung der schockierenden Bilder möglicherweise wenigsten ein kleines bissschen Sinn daraus ergeben: wir alle müssen dazu beitragen, dass kein Mensch und ganz besonders kein unschuldiges Kind mehr diesen schrecklichen Umständen zum Opfer fallen kann.

Die von Nestling und MOTHERBOOK auf Facebook geteilten Bilder wurden noch am selben Tag gelöscht.

Unter #KiyiyaVuranInsanlik (übersetzt „Die fortgespülte Menschlichkeit“) werden nun  seit heute im Netz weitere Fotos von einem ertrunkenen 3-jährigen und/oder die Debatte über deren Veröffentlichung verbreitet. Sowohl in der Heute-Redaktion, als auch in den meisten Online- und Print-Medien geht das Foto oder die Diskussion darüber um die ganze Welt… Musste es erst zu der Veröffentlichung solch schockierender Bilder kommen, um uns alle so richtig wachzurütteln? Ist das Bild des toten Kindes ein Sinnbild oder einfach nur pietätlos?

Schon lange kam Abend für Abend in den Nachrichten die schauerliche Botschaft von vielen ertrunkenen Flüchtlingen, auch von ertrunkenen Flüchtlingskindern und wir alle haben es gehört, einfach nur gehört, es hatte wenig Wirkung.  Ein Bild sagt mehr als tausend Worte… Das Bild des toten Jungen hat weltweit einen Entsetzensschrei ausgelöst und nun wird hoffentlich auch den letzten Menschen klar, was für ein Leid nicht nur Schlepperbanden mit ihren „Seelenverkäufern“ den Menschen antun, sondern wir alle werden nun endlich wach, wenn es darum geht zu erkennen, was in den Herkunftsländern die Ursache für die Flüchtlingsströme ist.

Schreckensbilder zu verbreiten, wenn ein Unglück vorbei ist, hat keinen Sinn, außer vielleich Sensationsheischerei und ist ohne Zweifel pietätlos. Die Bilder der ertrunkenen Flüchtlingskinder schreien uns an: „Tut alle etwas, damit solch‘ schreckliche Todesfälle nicht mehr geschehen können!“

Mir ist es unbegreiflich, dass die Weltgemeinschaft es nicht schafft, Konflikte in Krisengerionen mit Konfliktbearbeitungsmethoden zu bearbeiten. Politiker allein schaffen dies nicht, sie haben auch nicht unbedingt die Qualifikation dafür, aber wir alle müssten nach entsprechend qualifizierten Experten suchen, diese weiterbilden und vor Ort einsetzen. Diese brauchen internationalen Schutz. Wir sollten uns nach so viel Blutvergießen weiterentwickelt haben und endlich die Erkenntnis gewonnen haben, dass Waffengewalt und auch jede andere Form der Gewalt – egal von welcher Seite – nicht zielführend sein kann.

Wir brauchen auf der einen Seite Initiativen hier bei uns vor Ort, wie die inzwischen sehr erfolgreiche #BloggerfuerFluechtlinge mit der Website Blogger-fuer-Fluechtlinge, auf Twitter @BloggerFF und dem Spendenaufruf auf Bettterplace.org dazu, mit dem wir schon weit über 90.000 Euro einsammeln konnten.

Auf der anderen Seite müssen wir weit darüber hinaus aktiv werden, damit in der Zukunft kein einziges Kind mehr auf der Flucht ertrinkt.

Artikel von

4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

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