„Unser Zeugnisessen“ zur Initiative #mehralsNoten von Scoyo – MOTHERBOOK®

 

#mehralsnoten – Mitmach-Aktion von scoyo mit MOTHERBOOK®

In diesen Tagen gibt es für sehr viele Schüler Halbjahreszeugnisse. Noten können in ihrer unzulänglichen Aussagekraft einem Kind, wenn überhaupt, nur in kleinen Teilaspekten gerecht werden.

Wenn wir Eltern sehen, wie unzulänglich ein Notenzeugnis unser Kind widerspiegelt und wir unserem Kind einmal zeigen wollen, was wir besonders an ihm schätzen, könnten wir dafür eine Ausdrucksform suchen.

Unsere Familie hatte dafür das Zeugnisessen als Ritual. Haben wir doch mit vier Kindern – nennen wir sie hier Primus, Sekunda, Tertia und Quartus – bis zum Abitur insgesamt fast 100 Schulzeugnisse gesammelt. Dieses Quartett hat viele Kompetenzen erworben, die neben denen liegen, die sie mit der institutionellen Ausbildung angeboten bekommen hatten.

Schulnoten sind und waren für uns nie wichtig, aber doch hat uns der Notenzirkus manchmal zunächst betroffen gemacht. Alle meine vier Kinder kannten in ihrer Schulzeit meine Einstellung und wussten auf welche Dinge ich wirklich wert lege. Noten waren nie ein Thema für uns, bis unser Jüngster Quartus völlig unerwartet in eine Lage kam, die mir als Mutter große Jonglierkunst abverlangte.

Quartus war gerade auf ein Gymnasium in eine Schnelllerner-Klasse gewechselt. Alle seine Geschwister waren zu dieser Zeit auch auf dieser Schule, sein bester Freund und seine beste Freundin wechselten zusammen mit ihm dorthin und er freute sich sehr auf schöne, geborgene Schuljahre in vertrauter Umgebung. Paradiesische Bedingungen – könnte man denken – alles fühlte sich rund und stimmig an.

Dann passierte es: es hagelte plötzlich ein Notenspektrum auf uns herab, das fast ausnahmslos am hintersten Ende der Notenskala lag. Wir nahmen es erst gelassen, doch dann wurde es langsam unheimlich, denn es passte einfach nicht zum bisherigen Bild des Kindes. Diese kleinen Ziffern können ein kleines Erdbeben auslösen und ich sah zunächst staunend zu und beobachtete, wie mein Sohn begann sich demontiert zu fühlen. Es liebte seine Klasse, seine Schule, hatte viele Freunde gefunden und hatte subjektiv nicht das Empfinden den gefragten Stoff nicht zu beherrschen.

Mit Tests (u.a. HaWIK) bei einem spezialisierten Kinderarzt analysierten wir eine ausgeprägte Lese-Rechtschreib-Schwäche und ein sehr inhomogenes Begabungsprofil mit stark ausgeprägten Spitzen und einem deutlich schwachen Bereich (Symbolerkennung).  Wir mussten handeln und das Kind aufbauen, damit er nicht den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten infrage zu stellen beginnen würde und sein Selbstwertgefühl stabil blieb. In der Grundschule waren seine Besonderheiten nicht aufgefallen, er konnte sie unbemerkt kompensieren. Nun kam relativ brutal zum Ausdruck: er passte nicht ins Schulsystem. Umso wichtiger war es für ihn, sich seiner selbst bewusst zu werden, sich seiner Stärken sicher zu sein und weiterhin seine Potenziale ungehindert entfalten zu können.

Mir wurde klar: wer nicht gerne und gut liest und schreibt, hat in der Schule einen schwierigen Stand. Viel Energie in schwächere Bereiche zu stecken, halte ich nicht immer für zielführend, da dabei sehr viel Energie gebunden wird, die dann für andere Bereiche fehlt, die viel leichtgängiger sind.

Wir fassten mit Quartus einen Entschluss und fanden ein Motto: So viel Schule wie nötig, so wenig Schule wie möglich! Es folgten noch drei Schulwechsel, auch in ein alternatives Schulmodell und er kam ohne Zeitverzögerung zum Abitur und zum von ihm gewünschten Studienplatz …

Wichtig war nach meiner Einschätzung eins unserer Familienrituale: Nach jedem Zeugnis, nach jeder Prüfung oder sonstigem Meilenstein gab es bei uns so eine Art Familienkonferenz, das „Zeugnisessen“. Wir setzten uns um einen großen Tisch – bei den Zeugnissen waren wir viele Jahre zu sechst – es gab ein kleines Festessen, eine kleine „Ansprache“ von beiden Eltern, wie wir den betreffenden Zeitabschnitt für jeden wahrgenommen haben. Dabei gab es jedes Mal für jeden viele Punkte, die sehr positiv aufgefallen sind. Dabei kamen alle Aspekte zur Sprache, die weit, weit jenseits von Noten lagen.

Auch die Zeugnisse wurden mit allen diskutiert, jedenfalls in den Punkten, die bemerkenswert oder auch ungerecht erschienen. Dabei wurde immer auch die Beziehung zum Lehrer analysiert (der schließlich auch nur ein Mensch ist!). Wir fanden wirklich jedes Mal – unabhängig vom pädagogischen System – einige Lehrer, die inhaltlich das Kind so „gepackt“ hatten, dass sie positive Impulse für ihr ganzes Leben mitgenommen haben. Ebenso finden sich in jeder Schule Lehrer, die ihrer Aufgabe nur unzureichend gewachsen sind – auch diese Erfahrung ist für Schüler wichtig: es gibt in jedem Bereich auch Mängel.

Bekämen manche Lehrer ein Zeugnis von ihren Schülern, wären diese sicher nicht leicht zu verkraften… Darüber diskutierten wir ausführlich, immer wieder.

Ein Vorteil der Großfamilie wird hier schnell sichtbar: alle nehmen sich gegenseitig wahr und sehen dabei viel mehr Details, als man zunächst vermuten würde. Das Bild eines jeden Einzelnen rundet sich ab und wird viel präziser, umfassender und bunter als jedes Notenzeugnis es ausdrücken kann. Jeder hat sehr unterschiedliche Stärken, wird vom ganzen System bestärkt und geht gestärkt in die „nächste Runde“. Zeugnisse verblassen dahinter und verlieren an Bedeutung…

Hier kann jede Familie ihr eigenes Ritual finden, um die Zeugnisse der Kinder, egal ob es Notenzeugnisse oder verbale Beurteilungen sind, so einzubinden, dass sie einen konstruktiven, aber persönlich relativierten Wert bekommen. Würdigt man in diesem Zusammenhang liebevoll alle Fähigkeiten, Eigenarten und Bestrebungen der Kinder, werden ihnen Flügel wachsen!

Zu diesem Thema gibt es eine Mitmach-Aktion von Scoyo – ein konstruktiver Ansatz: Was Noten nicht sagen – das andere Zeugnis. Es wird die Anregung gegeben, den Kindern ein ganz eigenes Alternativ-Mama-von-Herzen-Zeugnis zu schreiben und dazu gibt es eine Vorlage zum ausdrucken.

Oder Eltern können folgende Fragen als Anregung nehmen und direkt beantworten:

  1. Was die Lehrer nicht über Dich wissen:

  2. Ich wäre fast vor Stolz geplatzt, als Du im letzten halben Jahr …

  3. Darüber habe ich mich geärgert …

  4. So würde ich Dich in wenigen Worten beschreiben, wenn mich jemand nach dir fragt:

  5. Die Welt wäre so viel ärmer ohne Dich, weil …

Ich bin stolz auf Dich.

Liebe Eltern, beteiligt Euch an dieser Aktion und schreibt uns, auf welche Weise ihr Euren Kindern vermitteln könnt, wie positiv und unabhängig von Noten ihr Euer Kind seht. Dazu gibt es mit Sicherheit noch viele andere Möglichkeiten, wie unser „Zeugnisessen“ oder auch z.B. einen Brief an das Kind zu schreiben, der ganz von Herzen kommt, wie der von Berlin-Mitte-Mom.

Wir möchten uns dem Aufruf zur Blog-Parade #mehralsNoten von Scoyo anschließen und benennen folgende Eltern-Blogger, die entweder Schulkinder, Schulenkelkinder haben oder Lehrer sind, auch mitzumachen:

Nina Massek von Frau Mutter

Christian Hanne von Familienbetrieb

Dr. Christine Finke von Mama arbeitet

Severin Bonini von Mama on the Rocks

Anne Lu Kitzerow von Große Köpfe

Detlef Untermann von Opas Blog

 

Wenn von Euch weitere Blogger benannt werden, wird’s immer interessanter und bunter!!

 

Zu Noten und Zeugnissen hatten wir am 21. Januar in einer Online-Runde auf dem 3. Scoyo Elternabend diskutiert, was jeder nachschauen und -hören kann.

3. scoyo Elternabend zum Thema Zeugnisse

 

Artikel von

4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

2 Kommentare

  1. Sina
    Sina at | | Rückmeldung abgeben

    Danke für Deine positiven Worte, liebe Gabriele, und dass du damit vielen Eltern zeigst, dass es für alles eine Lösung, für alles einen Weg gibt.

    Verlink doch gern Deinen Beitrag direkt unter die Aktion selbst: http://www-de.scoyo.com/eltern/schule/zeugnis-aktion-mehr-als-noten – dann können unsere Leser sehen, wer schon alles seine Gedanken zum Thema veröffentlicht hat.

    Viele Grüße
    Sina vom scoyo ELTERN!-Magazin

  2. JesSi Ca
    JesSi Ca at | | Rückmeldung abgeben

    Ich habe auch gerne mitgemacht- ganz unaufgefordert weil mein Herz mich dazu antrieb. Ein Herzenszeugnis für meinen Pflegesohn – es war erst komisch, aber das nur die ersten zwei Zeilen, dann kamen die Worte aus meinem Herzen.

    Liebste Grüße
    JesSi Ca

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