Die Mutter ist von unschätzbarem Wert

Noch immer wird die Leistung der Mutter für die Gesellschaft nicht ausreichend gewürdigt.
Oft werde ich gefragt, ob die japanische Hausfrau im Allgemeinen und die Mutter im Besonderen, in einer patriarchalischen Gesellschaft glücklich werden kann. Das relativ spät erworbenen Wahlrecht der japanischen Frau und die immer noch eingeschränkten Möglichkeiten des beruflichen Aufstiegs, sowie die mangelnde Beteiligung an den politischen Entscheidungsprozessen, scheinen das Bild einer männerdominierten Gesellschaft zu bestätigen. Theorie und Praxis sind aber zwei verschiedene Dinge. Obwohl Japan von außen betrachtet patriarchalisch strukturiert erscheint, ist es doch in Wirklichkeit matriarchalisch geprägt.
Traditionell übergibt der Mann als Ernährer der Familie den gesamten Lohn seiner Frau, damit sie das Geld zum Wohle der Familie verwaltet. Sie entscheidet wie das Geld verwendet wird. Auch die Höhe des Taschengeldes des Mannes wird von ihr bestimmt. Der japanische Mann kann sich selbst ohne Gesichtsverlust als „Pantoffelheld“ bezeichnen, denn es bedeutet er lebt in einer disziplinierten Familie. Im Volksmund heißt es, „hat die Frau den Mann unter ihrem Pantoffel, geht es der Familie gut“. Selbstverständlich dankt die Ehefrau ihrem Mann für seine Bemühungen und bezeugt ihm ihren Respekt. Und genau so passiert es umgekehrt. Der Mann ist voller Dankbarkeit gegenüber seiner Frau.
Die Leistung einer Mutter und die des Mannes auf seiner Arbeit werden als absolut gleichwertig betrachtet. Diese gesellschaftliche Anerkennung ihrer wichtigen Tätigkeit gibt der japanischen Frau ein tiefes inneres Sicherheitsgefühl. Ohne diese Sicherheit ist es schwer sich mit aller Kraft auf die Kindererziehung zu konzentrieren. Diese benötigt ein hohes Maß an Zuwendung und Zeit. Wenn die Gesellschaft erkennt wie wertvoll die Zeit der Mutter ist, begreift auch die Mutter ihren Wert und bemüht sich diese nach bestem Gewissen zu nutzen.
Im Gegensatz zur westlichen Welt gab es in den 1960iger und 70iger Jahren in Japan keine Emanzipationsbewegung, denn die japanische Frau fühlte sich nicht unterdrückt.
Wenn der Mann alleine über seine „Jagdbeute“ (Arbeitslohn) bestimmen will, entsteht ein Gefühl der Minderwertigkeit bei seiner Frau. Um dieses Ungleichgewicht zu beseitigen, wird die Frau versuchen selber Kariere zu machen. Das ist eine der Ursachen für die abnehmende Geburtenrate in den Industriestaaten. Die Diskrepanz zwischen dem Anspruch auf ein vermeintlich unabhängiges, selbstbestimmtes Leben oder dem Wunsch nach Mutterschaft, mit der damit verbundenen Festlegung der nächsten 20 Lebensjahre ist in unserer modernen Welt nur schwer aufzulösen.
Wir müssen versuchen nicht in einen Teufelskreis zu geraten, und müssen wir anerkennen, dass alleine ein Kind in die Welt zu bringen eine große Leistung ist. Unsere Menschenwürde gebietet der Mutterschaft den höchsten Stellenwert in unserer Gesellschaft einzuräumen.

Artikel von

3 Töchter, Single-Mother, Pianistin, Humanistin.

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