Ein neuer Stern an unserem Familienhimmel bringt mich in eine neue Dimension

Mein Sohn hat einen Sohn!
Mein Sohn hat einen Sohn!

 

Die letzten SMS aus dem Kreissaal versiegten am frühen Abend und ich traute mich kaum schlafen zu gehen. Meine Gedanken waren voll mit Neugier, Zuversicht, Aufregung und großer Freude. Mich packte so etwas wie Lampenfieber, aber auf eine neue Art: das erste Mal, dass ich für einen direkten Nachkommen nicht selbst in den Kreissaal ging, sondern mein Sohn begleitete die Mutter seines Sohnes zu einem dieser beeindruckendsten Ereignisse, die es im Leben geben kann. Da ich eine lange Nacht erwartete, wunderte ich mich über uns beiden Fast-Großeltern, dass wir es schafften zunächst doch noch einzuschlafen. Kurz vor 2 Uhr war es dann soweit: mein erster Enkel war ins Leben gestolpert und zwar mit einer gewissen nächtlichen Dramatik. Mir stockte der Atem und eine Lawine von Gedanken und Emotionen überrollte uns. Er war geboren! Ein bildschöner Säugling, groß, stark und entspannt wirkend – der neue Stern an unserem Familienhimmel.

Doch es passierte mit Notkaiserschnitt, zu schwacher PDA  – arme Mutter –, sie und das Kind hatten Fieber, das kleine Wunder einen viel zu schnellen Puls und die Atmung wirkte nicht „rund“. Meine Zuversicht drohte mich zu verlassen und ich musste innerlich stak um sie ringen: finstere Bilder wollten sich unserer Vorstellungskraft bemächtigen, was hat man nicht schon für schlimme Geschichten gehört…

Glücklicherweise widersprachen die ersten Fotos aus dem Kreissaal den Botschaften vollständig: das half uns dabei die Fassung wiederzuerlangen. Die ganze Familie war im Einsatz. Telefonierend, SMS schreibend, in der Nacht noch Flüge nach Berlin buchend, Fotos austauschend, ermutigend, unterstützend, hoffend, einige auch betend und begleiteten so die erste Odyssee eines kleinen Helden in der ersten kalten Oktobernacht durch die schlafende Stadt von der Geburtsklinik in die Spezialklinik mit Neonatologie und Säuglingsintensivstation. Auf eine sanfte Geburt vorbereitet, verbreitete sich plötzlich hochgradig angespannte Beunruhigung: die Mutter blieb als frisch Operierte zunächst zurück, der Vater folgte dem Kind in die andere Klinik. Mein Mutterherz zerriss es fast, als ich mit meinem Sohn während der ganzen Fahrt sprach: Ein frisch gebackener Vater zwischen hoffen und bangen, halb glücklich und tief berührt, raste durch die Nacht einem Krankenwagen hinterher und ich hatte nur ein Bedürfnis: ich wollte ihm beistehen, wollte vermitteln wie viele „Wunder“ geschehen, denn jede Geburt ist eine Grenzerfahrung für alle Beteiligten.

Noch nie waren Geburten so sicher wie heute. Wenn man sich auf eine „Bilderbuchgeburt“ im abgedunkelten Raum mit gedämpften Stimmen und womöglich sanfter Musik vorbereitet hat und plötzlich ist die Realität Inkubator, Sauerstoffmaske, Intensivstation in der weit entfernten neonatologischen Abteilung, von der Mutter nicht nur entbunden, sondern getrennt, bricht zunächst Enttäuschung und Angst aus.

Das Erstaunlichste für mich in unserem Fall ist: das kleine faszinierende Persönchen bleibt gelassen, entspannt ruhig und lässt sich von der allgemeinen Hektik und Sorge nicht beeinflussen. Er verbringt dann doch noch einen großen Teil der ersten Nacht bei seinem Vater auf der Brust liegend, ist vertrauensvoll friedlich und die Funktionen normalisieren sich schnell.

Auf beeindruckende Weise zeigt dieses kleine Wesen Stärke und verzaubert die besorgte Großfamilie. Wieder einmal zeigt sich für mich: nicht die Geburt allein ist der Start ins Leben, sondern die ganze Schwangerschaft kann dem Kind schon so viel Sicherheit und Vertrauen vermitteln, dass eine etwas holprige Entbindung es nicht aus dem Gleichgewicht bringen muss. Wie wichtig und prägend die Zeit vor der Geburt schon für das ganze Leben eines Menschen ist, beginnen wir gerade erst zu verstehen.

Die Persönlichkeit eines Neugeborenen ist bei der Geburt schon sehr weit entwickelt und deutlich erkennbar. Wie ausgeprägt dieses Phänomen ist, habe ich erst rückwirkend erkannt. Was ich bei meinen vier Kindern schon in den ersten Tagen nach der Geburt meinte gesehen zu haben, auch völlig überraschende Beobachtungen, hat sich meist später als sehr präzise herausgestellt.

 

Dieser neue Erdenbürger hat mich in eine neue Dimension gebracht: ich bin nun Großmutter, wie schön!! Meine Gefühle purzeln auf eine bisher nicht gekannte Weise durcheinander und spiegeln eine Mischung aus größter Freude, sicherer Zuversicht, riesengroßer Dankbarkeit, schönster und reinster Liebe wider.

Ein weiterer Aspekt, der mich glücklich macht: ich habe meine Kinder relaltiv früh bekommen, nun ist auch der erste Enkel, im Vergleich zu meinen gleichaltrigen Freunden, einer der ersten und dadurch habe ich eine realistische Chance eines meiner weiteren Ziele zu erreichen, denn ich möchte so lange fit bleiben, bis mein letztes Enkelkind –und ich habe mir 16 davon „bestellt“ –erwachsen sein wird.

Der Anfang ist gemacht, seit gestern!!

 

Dieser Beitrag ist mein Lieblingsbeitrag des Jahres 2014 und gelistet bei der Blogparade „Kellerbande mit Herz und Seele“ #mbBj

Artikel von

4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

9 Kommentare

  1. Poepi
    Poepi at | | Rückmeldung abgeben

    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Enkelkind!
    Oh man, ist das rührend….
    Ich hoffe, Mutter und Baby sind auf dem Weg der Heilung und wünsche den beiden und der ganzen Familie viel Licht, Liebe und Kraft…..
    Liebe Grüße, Poepi

  2. Gabi
    Gabi at | | Rückmeldung abgeben

    Die allerherzlichsten Glückwünsche für Mutter, Vater, Kind, Großeltern!
    Was für eine Nacht!!! Ich wünsche Kind und Mutter einen guten Weg und einen freundlichen Schutzengel!
    Liebe Gabi, Du wirst die Superomi werden und was ich wirklich toll finde, jedes Kind ist so wunderbar willkommen und gewünscht. So soll es sein!
    Viele Grüße von Gabi

  3. Andrea vom Runzelfüßchen Blog

    Liebe Gabi,

    Herzlichen Glückwunsch zum ersten Enkel. Manchmal vergisst man als Eltern ja auch, dass da noch ganz viel Familie mitfiebert. Ich bin froh, dass dein Enkel so entspannt ist und hoffe, dass es der Mutter schnell wieder besser geht. Denn ich glaube auch der Schock statt sanfter Geburt einen Notkaiserschnitt durchzustehen ist nicht zu unterschätzen. Alles Gute für die kleine Familie. Dass du sie nach Kräften unterstützen wirst, davon bin ich überzeugt.

    Liebe Grüße,

    Andrea

  4. Anja von der Kellerbande

    Hallo Gabi,

    auch von mir noch ein herzlichen Glückwunsch zum Enkel. Da feiert ihr sicher ein schönes Weihnachten.

    Vielen Dank für den tollen Beitrag zu meiner Blogparade.

    Ein einmaliges Erlebnis in 2014.

    Lg

  5. Danilo
    Danilo at | | Rückmeldung abgeben

    Eine sehr fesselnde Story. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH auch von mir. Fasziniert hat mich wie du die Ruhe des kleinen No. 1 beschrieben hast während um ihn herum alle in Hektik verfallen sind. Ich wünsche euch viele Freude mit eurem kleinen Enkel und das ihr für alle 16 Enkel solch einen wunderschönen post verfasst.

  6. Kinder, die verblüffen - die Frage der Woche

    […] Patzschke von Motherbook: http://motherbook.de/ein-neuer-stern-an-unserem…/ Meine Kinder verblüffen mich ständig – alle vier und jetzt auch mein Enkel – immer wieder […]

  7. Jenniffer von Berufung Mami

    Liebe Gabriele, unser Sohn und dein Enkelsohn sind fast gleich alt. Und zudem haben wir eine ganz ähnliche Geschichte erlebt. Beim Lesen ist vieles davon wieder hoch gekommen. Aber ich versuche, mich auf das Jetzt zu fokussieren. Denn jetzt sind wir gesund und munter und entwickeln uns großartig. Wie ist das bei eurem Enkel? Sicher genauso. Und bald steht das erste Weihnachtsfest an, was die Kleinen schon viel besser verstehen werden als letztes Jahr. Ich freue mich drauf. Alles alles Liebe, deine Jenniffer

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