Die Einschulung – kaleidoskopische Eindrücke einer Mutter

Einschulung, Schultüten, motherbook

So ist das also, jetzt werden sie groß – und die schöne unbeschwerte Zeit ist vorbei. Ein seelischer Seufzer zieht mir durchs Gemüt. Jetzt geht sie los, die Zeit der Pflichten und der Disziplin. Wehmütig denke ich an unseren tollen Kindergarten. Mein Sohn, unsicher, der Dinge, die da kommen, harrend, spiegelt meine Gedanken. Stolz und cool versichert er mir: “ Ist doch kein Problem in die Schule zu kommen…“ und er freue sich darauf. Trotzdem schläft er die Woche vor der Einschulung und eine halbe Woche danach kaum. Am 3. Schultag dann kommt er mit einer unglaublich schlechten Laune nach Hause. Er stellt fest, dass sein großer Bruder ihn immer noch klein findet und nach einem Zornausbruch schläft er auf dem Sofa um 16 Uhr ein und wacht in seinem Bett am nächsten morgen um 6.15 Uhr wieder auf, natürlich nur, weil er geweckt wird. „Ist heute Schule, Mama?“ Ein bejahen meinerseits bewirkt ein genüßliches Umdrehen und Weiterschlafen. Na, das geht ja gut los, denke ich mir.

Dabei sprang dieser kleine Wicht vollkommen selbstbewußt auf die Bühne der Aula seiner Schule, gab´der Klassenlehrerin die Hand, deutete eine leichte Verbeugung an (woher er das nur hat, in dem Alter???) und marschierte zielstrebig auf seinen Platz neben einem Mädchen, das ihm kurz danach sofort klar ansagte, wo er zu sitzen habe.

Schule – da wünscht man sich als Mutter doch Gedanken lesen zu können. Was die Kinder sich zurecht legen, was dieses Wort für sie bedeutet und wie es dann wirklich ist.

Eines ist auf jeden Fall klar! Schule ist harte Arbeit für die Kinder, denn allen und wirklich allen ist es sooo wichtig alles richtig zu machen und sich dafür anzustrengen. Es gibt sie nicht, die Kinder, die das Lernen gleich ab dem ersten Tag verweigern. Und das sollte uns zu denken geben. Was ist nur passiert, wenn nach ca. 6 Wochen schon die ersten Kinder sagen, (und das mit sechs Jahren oder jünger) „Schule ist doof“. Man muss sich ja eigentlich richtig anstrengen um die Schaffenskraft und Lebensfreude in diesem Alter zu brechen. Offensichtlich gelingt das manchen Lehrern mühelos.

Es ist also völlig klar, dass man als Mutter an der Stelle doch ziemlich genau hinschauen muss, was für einen Start die Kinder erleben. Und gäbe es nicht noch jede Menge schwindeleregende Nebenbaustellen bei einer Einschulung, die da heißen: die Liste mit den Dingen, die gebraucht werden abzuarbeiten: Ersatzwäsche, Brotdose, Springseil, Knete, Mäpchen, Postmappe, Hausschuhe, Gummistiefel, Regenhosen… unendlich, die Liste und auch die Liste mit Anweisungen welcher Lehrer, was braucht, wann im Hort was gegessen wird oder wer wann abholt u.s.w., die Familie möglichst gekonnt in Balance zu halten, jede Menge Mahlzeiten und Empfänge zu organisieren, dann würde man wahrscheinlich jenen Punkt verpassen, der ja auch mit der Einschulung kommt: dem Kind mehr Raum und Freiheit in Verantwortung zu geben. Diesen Raum brauchen die Lehrer und das Vertrauen der Eltern. Und mich beschleicht der leise Verdacht, dass jener Aktionismus (von der Feier bis zur Schultüte), der mit der Einschulung einhergeht eigentlich nur den Zweck hat, die Eltern davon abzuhalten, ihren Kindern eine Anleitung für die Schule mit auf den Weg zu geben, denn dazu hat wirklich in diesen Tagen überhaupt keiner mehr Zeit. Und das ist gut so. Und hätte ich mich nicht selbst dazu verpflichtet diese Zeilen zu schreiben, würde ich wahrscheinlich noch nicht einmal darüber nachdenken. Da haben wir ja nochmal Glück gehabt!

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