Erziehen ohne Druck und Zwang – Der Ansatz von Thomas Gordon

Girl power

Gib es auf, Macht anzuwenden und du gewinnst an Einfluss. Thomas Gordon

Als Coach, Beraterin und Heilpraktiker Psychotherapie war ich nicht besser vorbereitet auf die Herausforderungen der Erziehung als andere – auch ich musste meinen Weg finden mit „erfreulichen Verhaltensweisen“ wie Wutanfällen, Schimpfworten, Bocken, nicht ins Bett gehen wollen, Süßigkeitengejaule… umzugehen – wie die meisten Mütter und Väter auch.

Ein Meilenstein auf meinem persönlichen Weg zur Erziehungskompetenz waren dabei für mich die Bücher von Thomas Gordon und sein Konzept des Erziehens ohne zu strafen. Es hat mich so beindruckt, dass ich inzwischen (u.a.) mit seiner Herangehensweise in Coachings und  Kommunikationstrainings arbeite.

Für alle, die diesen Klassiker der Erziehung nicht kennen, hier eine kleine Einführung:

12 wichtige Prinzipien der Erziehung nach Thomas Gordon

  1. Kinder benehmen sich nicht daneben – Sie versuchen nur Ihre Bedürfnisse zu befriedigen oder Ihre Interessen wahrzunehmen.
  2. Wenn das Kind im Versuch seine Bedürfnisse zu befriedigen, ein für mich nicht akzeptables Verhalten zeigt, so sollte ich versuchen zu verstehen, um welches Bedürfnis es geht.
  3. Das Verhalten zu verstehen, bedeutet nicht, dass ich es auch akzeptieren muss und es ist legitim, das Kind so beeinflussen zu wollen, dass es ein akzeptables Verhalten zeigt.
  4. Beim Versuch, das Kind zu einem akzeptablen Verhalten zu bringen, sind Macht und Druck kein guter Weg.
  5. Macht und Druck verstecken sich in vielen Versuchen von Eltern, auf ihre Kinder Einfluss zu nehmen – Gordon bezeichnet diese Versuche auch als Kommunikationsfallen so z.B. – drohen, brüllen, moralisieren, predigen, schlechtes Gewissen einreden, betteln etc.
  6. Macht und Druck erzeugen Gegendruck oder Ausweichmechanismen, wie Widerstand, Trotz, Rebellion, Negativismus, Ärger, Zorn, Feindseligkeit, Aggression, Vergeltungsmaßnahmen, zurückschlagen, Lügen, Empfindungen verbergen, andere beschuldigen, klatschen, andere herumkommandieren, tyrannisieren, siegen müssen, betrügen, ungern unterliegen, sich gegen die Eltern organisieren, Bündnisse schließen, einschmeicheln, um Gunst buhlen, Anpassung, Mangel an Kreativität, Passivität, Rückzug, Flucht, Phantasien
  7. Macht und Druck funktionieren nur gut mit kleinen Kindern und sind zeitlich begrenzt – der Preis wird meist in der Pubertät gezahlt – dann, wenn Macht nicht mehr funktioniert oder ständig unterlaufen wird.
  8. Es gibt Wege jenseits Macht und Druck, um das Verhalten eines Kindes zu beeinflussen, wenn dieses nicht akzeptabel ist.
  9. Aktives Zuhören hilft, das Bedürfnis des Kindes wirklich zu verstehen und anzuerkennen.
  10. Ich-Botschaften helfen, die eigenen Bedürfnisse zu kommunizieren und dabei zu erklären, warum ein Verhalten nicht akzeptabel ist. Sie schreiben nicht vor, sondern erklären. Sie erzeugen viel weniger Widerstand als Kommunikationsfallen – zum Beispiel: Du räumst dein Zimmer jetzt auf! = Befehl & Druck; Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, gibt es keine Süßigkeiten heute Abend! = Drohung & Strafe; Mich stört diese Unordnung hier, ich kann gar nicht mehr laufen und habe Angst hinzufallen! Kannst du bitte den Weg so freiräumen, dass ich sicher laufen kann? = Ich-Botschaft und Einladung; Wenn ich über all dies Spielzeug falle, tu ich mir weh. Kannst du es bitte so wegräumen, dass ich sicher laufen kann? = Ich-Botschaft mit Folgenerklärung und Bitte; Wenn wir Platz und Ordnung auf dem Tisch haben, dann spiele ich gerne mit dir. Es macht mir dann Spaß, weil ich nicht Angst haben muss, dass wir Teile verlieren oder etwas umstoßen. = Ich-Botschaft und wichtige Rahmensetzung für akzeptable Lösung für beide Seiten.
  11. Ich-Botschaften können auch nonverbal sein (Kind absetzen wenn es tritt, aus dem Raum gehen, wenn ein Kind Schimpfwörter sagt, Gegenstände wegstellen, die in Gefahr sind)
  12. Lösungen, die die Bedürfnisse des Kindes und des Elternteils befriedigen, sind die besten Lösungen. Gordon nennt diese Art der Lösungsfindung die 3. Methode oder die niederlagenlose Form der Konfliktlösung.

Und was ist mit der Umsetzung?

Nun um es kurz zu machen – es ist nicht einfach. Es erfordert Übung, Geduld und Durchhaltevermögen, vor allem am Anfang. So muss man lernen, nicht mit Wut zu reagieren, wenn ein Verhalten fürchterlich nervt, stört, einen sehr ungeduldig macht etc., sondern erst zu verstehen, welches Bedürfnis des Kindes dahinter steht.

Man muss außerdem üben zu verstehen, welches Bedürfnis man selber gerade hat und auch, dieses Bedürfnis in Form einer guten Ich-Botschaft auszudrücken. (Mach die Musik leiser! (Befehl) – Ich werde von dieser Musik unruhig und sauer und bekomme Kopfschmerzen, bitte mach die Musik leiser).

Und nicht zuletzt bedarf es einiger Übung, die 3. Methode zu praktizieren – also einen Weg zu finden, gute Lösungen für die Bedürfnisse beider Seiten zu finden. (Du kannst noch 2 Minuten laut Musik hören, das kann ich noch gut aushalten und du hast deinen Spaß gehabt, danach mach sie bitte leiser, damit ich mich auch wohlfühlen kann).

Ein guter erster Weg, ist es, die Bücher von Gordon zu lesen.

Wer intensiver und in Begleitung üben möchte, kann dies auch in Coachings oder Seminaren bei mir tun.

Nathalie

Autor Nathalie Steidl ist Coach, Therapeutin und Seminarleiterin in Berlin, mehr Informationen zu ihr gibt es unter wertschaetzung-steidl.com

 

 

 

 

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