Experten-Beitrag – Die Bedeutung von Vitamin D bei Kinderwunsch

Kinderwunsch über 35 – Darja Wagner

Für spezialisierte und fachlich anspruchsvolle Themen freuen wir uns besonders, wenn Experten aus unserem Netzwerk für uns mit ihrem Wissen dazu beitragen unseren „Wissensschatz“ zu vergrößern. Darja Wagner ist hochqualifizierte Mompreneur, die zum Thema „schwanger werden über 35“ bloggt:

 

Darja Wagner – PaleoMamaBIOGRAPHIEDarja Wagner, Ph.D. ist promovierte Zellbiologin, die sich auf Vitamine und Hormone spezialisiert hat. Sie ist die Autorin des Blogs Paleo-Mama – schwanger werden über 35, auf dem sie Themen wie Fruchtbarkeit und Kinderwunsch der Frauen nach 35 anspricht. Sie lebt mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen in Berlin – beide geboren, nachdem sie 35 Jahre alt wurde.

 

Warum Vitamin D für Frauen so wichtig ist –

ODER: Was Sie als Frau tun können um den Vitamin D Mangel vorzubeugen

Schon die Tatsache, dass so gut wie jede Zelle im Körper über aktive Vitamin D Rezeptoren verfügt lasst einen auf die Idee kommen, dass ausreichende Versorgung mit Vitamin D in menschlicher Gesundheit eine Rolle spielen würde, oder?

Als ich vor vielen Jahren angefangen habe in Rahmen meiner Doktorarbeit über Vitamin D zu forschen, dachten die Menschen immer noch, Vitamin D Synthese wäre was Einfaches: die Sonnenstrahlen würden bewirken, das Produktion von Vitamin D in der Haut quasi in den Gang gesetzt wird, dann bekämen diese unreifen Moleküle noch ein paar einfache Teile dazu – einmal in der Leber und noch einmal in der Niere und Voila – fertig wäre unser Vitamin D und könnte sich gleich an die Stärkung von Knochen stürzen, viele sahen darin nämlich die einzig wichtige Aufgabe von Vitamin D.

In wenigen Jahren durfte ich rasante Entwicklungen in der Forschung von Vitamin D erleben. Schnell haben wir gelernt, dass Vitamin D weitere Funktionen hat, die weit über Knochengesundheit hinausgehen, und das viele Organe und Zellen sogar die letzte, aktive Form von Vitamin D selbst herstellen und an die eigenen Bedürfnisse ganz fein anpassen können. Vitamin D kam ganz groß an die Öffentlichkeit, und das mit gutem Recht.

Die Bedeutung von Vitamin D und auch die epidemiologische Ausmaße des Vitamin D Mangels wird inzwischen weltweit anerkannt. Bei manchen Menschen ist die Wahrscheinlichkeit, von Vitamin D Unterversorgung betroffen zu sein, besonders groß. Zum Beispiel, Menschen die sich wenig im Freien aufhalten, zu denen auf den Breitengraden in Deutschland leider ein Großteil der Bevölkerung zählt.

Zu weiteren von Vitamin D Mangel stark betroffenen Risikogruppen zählen auch die Menschen mit einer dunkleren Hautfarbe, da ihre Haut über Schutzmechanismen verfügt (hoher Gehalt an Melanin) und sie mehr Zeit an der Sonne verbringen müssen, um die gleiche Menge an Vitamin D wie die hellhäutigen Typen herzustellen. Eine kleinere, aber umso stärker betroffene Gruppe stellen ältere Menschen dar, die sich nicht nur wenig im Freien aufhalten, sondern oft noch zusätzliche Mobilitätseinschränkungen haben. So auch Säuglinge, die Milch von Vitamin D unterversorgten Müttern bekommen (zu den wiederum die allermeisten frisch entbundenen zählen).

Obwohl die Informationen über Konsequenzen des Vitamin D Mangels nicht neu sind und eigentlich seit Jahren durch die Fachpresse aller medizinischer Fachrichtungen gehen, spielt die Erfassung des Vitamin D Spiegels in der ärztlichen Praxis immer noch kaum eine Rolle. Warum ist das so?

Viele Ärzte betrachten Vitamin D in Lebensmitteln als ausreichend genug und denken, mit einer gesunden Ernährung könnte man den Bedarf mühelos decken. Dabei gibt es wenige Lebensmittel, die reich an Vitamin D sind und – ganz ehrlich – wer kann schon täglich fetten Fisch und Lebertran essen?

Dazu kommt, dass Menschen in früheren Zeiten sich viel mehr draußen im Freien bewegten, dadurch bekam ihre Haut genug UVB-Strahlen und damit genug Ausgangsubstanz um Vitamin D zu produzieren. Heutzutage meiden viele Menschen die Sonne komplett und verbringen die Zeit in geschlossenen Räumen, ob  in Büros, zu Hause, beim Einkaufen und sogar beim Sport. Obwohl es gleichzeitig praktisch und schön ist, dass eines der wichtigsten Vitamine für alle Menschen kostenlos geliefert wird, wird dieser Vorteil nicht genutzt.

Sogar auf den Seiten des Bundesinstituts für Risikobewertung und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung steht:

„Vitamin D wird beim Menschen unter dem Einfluss von Sonnenlicht in der Haut gebildet. Im Gegensatz zur körpereigenen Bildung hat die Vitamin D-Zufuhr über die Ernährung nur einen relativ geringen Anteil an der Vitamin D-Versorgung. Als Schätzwert für eine angemessene Zufuhr gibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene 20 Mikrogramm Vitamin D (800 I.E.) pro Tag an. „

Interessanterweise zeigen Studien immer wieder (und hier ist nur ein Beispiel), dass Frauen in allen Bevölkerungsgruppenhäufiger an Vitamin D Mangel leiden als Männer. Im Licht der Tatsache, dass Frauen Schwangerschaften austragen, Kinder stillen (sollten) und im Alter häufiger von Osteoporose und Knochenbrüchen betroffen sind, ist wichtig zu wissen: erstens, warum viele Frauen nicht ausreichend Vitamin D bekommen und zweitens, wie sie durch ganz einfache Maßnahmen, die sich leicht in Ihr Alltag integrieren können, dem Vitamin D Mangel entgegenwirken können? Hierauf sollten Sie als Frau (und ganz besonders als Frau über 35) besonderes achten:

1) Frauen finden es ja schön, einen gesunden, leicht gebräunten Teint zu haben. Falten zu bekommen finden die sie  aber gar nicht so schön. Deshalb benutzen sie Make-up um ihre Gesichtsblässe das Jahr über zu bekämpfen und dann noch die Cremes mit Sonnenschutzfaktor im Sommer. Oft bedecken sie die Haut aus allen möglichen Gründen sogar im Sommer – all das sind Ursachen für den Vitamin D Mangel.

Also wer hat Recht: die neue Forschungsergebnisse, die auf einen Vitamin D-Mangel hindeuten, oder die Pharmaindustrie, die vor der Sonne warnt und auf Sonnenschutz besteht? Meiner Ansicht nach gilt auch hier am besten eine Mäßigung. Ein Sonnenbrand ist immer schlecht. Kremen Sie sich deshalb im Sommer im Gesicht ein, weil es am meisten Sonne abbekommt (und die meisten Hautkrebsgeschwüre und Falten befinden sich ebenfalls dort). Dagegen ist ein Aufenthalt in der Sonne, mit ungeschützten Armen und Beinen, mehrere Male pro Woche unbedingt empfehlenswert.

2) Viele Frauen fragen sich, ob Solarium helfen kann, dem Vitamin D-Mangel entgegenzuwirken? Darüber, ob regelmäßige Solarium Besuche empfehlenswert sind oder nicht, kann man oft widersprüchliche Artikel lesen. Wem soll man glauben?

Die Menschen sind so geschaffen, dass ihr Bedürfnis nach Vitamin D am besten vom Sonnenlicht befriedigt wird. Bedenken Sie, unsere gesamte Evolutionszeit spielte sich unter der Sonne ab. Manche Kulturen beteten die Sonne an, erst in den letzten fünfzig Jahren entstand dieser Tunnelblick, vor der Sonne sollte man Angst haben (und sie am besten mit teuren Produkten bekämpfen). Die Sonne war schon immer und bleibt für immer unser Freund.

 

In diesem Sinne können Solarien hilfreich sein, besonders im Winter, wenn die Sonne nicht stark genug ist, um genug Vitamin D über die Haut zu bekommen. Diese Empfehlung setzt natürlich voraus, dass Sie ein Solarium besuchen, in dem modere Lampen benutzt werden, die das Sonnenlicht einigermaßen treu wiederspiegeln und die für Vitamin D-Synthese notwendige UVB-Bestrahlung nicht rausfiltern).

Über Solarien gibt es verlässliche Studiendaten, wie z.B. die von einem der größten Autoritäten auf dem Gebiet der Vitamin D Forschung, dem Prof.Michael Holick. Sein Team fand heraus, dass junge Menschen, die einmal pro Woche ins Solarium gingen, einen gesunden Vitamin D-Spiegel aufweisen konnten. Dazu hatten sie eine höhere Knochendichte, im Gegensatz zu den Leuten, die nicht ins Solarium gingen. Da Menschen in Europa und Nordamerika nicht genug Sonne bekommen um den Vitamin D Bedarf im Winter zu decken, sind in der kalten Jahreszeit mäßige Besuche ins Solarium empfehlenswert.

3) Haben sie einen Kinderwunsch? Frauen die einen Kinderwunsch haben (besonderes wenn sie über 35 sind) sollten unbedingt wissen, dass mehrere neue Studien gezeigt haben, dass Vitamin D-Status mit verbesserten Schwangerschaftsraten zusammenhängt. Das wurde zuerst bei den Patientinnen in Kinderwunschkliniken beobachtet: da zeigten die Eizellen von Frauen mit ausreichendem hohen Vitamin D-Spiegel sowohl eine höhere Implantationsrate als auch eine höhere Anzahl erzielter Schwangerschaften. Möglicherweise hat bei ihnen Vitamin D auf die Gebärmutterschleimhautgewirkt, was wiederum die Einnistung der der Embryonen unterstützt hatte? Nach Auffassung der Autoren der Studie sollte die Kontrolle der Vitamin D-Versorgung einer Patientin daher eine Standard-Prozedur jeder Fruchtbarkeitsbehandlung werden. Für Sie reicht es aus sich zu merken, während der Zeit in der Sie versuchen, schwanger zu werden, sollten Sie sich um genügend Vitamin D bemühen.

4) Und wie viel Vitamin D brauchen Sie, wenn Sie schon schwanger sind? Die schwangeren Frauen bekommen oft gar keine, oder unzureichenden Hinweise zur Vitamin D Versorgung von ihren Ärzten. Ganz besonders für die schwangeren Frauen ist es wichtig, nicht unter den von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Vitamin D-Spiegel von 50 nmol/l im Blut zu fallen. Wenn Sie schwanger sind und sonst ganz gesund, sollten Sie 4000 I. E. während der gesamten Schwangerschaft einnehmen. Diese Dosis ist nicht nur sicher, sondern führt zu einem deutlich besserem Schwangerschafts- und Geburtsverlauf mit geringeren Komplikationsraten für Sie und Ihr Baby. Interessanterweise haben Defizite in zwei Vitaminen – Vitamin D und Folsäure – einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und beide sind gute Beispiele dafür, wo Sie als Mutter die zukünftige Gesundheit Ihres Kindes auf einfache Weiße positiv beeinflussen können. Sprechen Sie Ihren Frauenarzt am besten direkt an, er kann Ihr Vitamin D-Status im Blut einfach bestimmen lassen. So werden Sie am schnellsten herausfinden, ob Sie einen Vitamin D-Mangel haben und wie viel Vitamin D Sie täglich brauchen um einen gesunden Status wieder zu erreichen.

4) Wie steht es um Ihre Bewegung? Leider ist es so: Vitamin D-Präparate alleine reichen nicht aus um eine gute Gesundheit auf Dauer zu gewährleisten. Anders gesagt, wer sich nicht bewegt und nicht einen Rund-um gesunden Lebensstil praktiziert, hat schlechte Karten und geht auf Dauer große gesundheitliche Risiken an. Über gesunde Ernährung lässt sich diskutieren und als ganz allgemeiner Empfehlung würde ich mich trauen zu sagen: 1) konsequent bio-, 2) konsequent wenig Zucker und 3) mit wenig Fleisch, und zwar von Tieren die möglichst artgerecht gelebt haben, was sich in Zusammensetzung ihres Fleischs wiederspiegelt).

Vitamin - D, Sonne und Meer – Motherbook®

Um es zusammenzufassen: der Lebensstil der Menschen hat sich in den letzen Jahrzehnten drastisch geändert. Wir verbringen wenig Zeit an der Sonne, essen Lebensmittel, die zusammengezählt dutzende von Stoffen enthalten mit denen wir keine gemeinsame Evolutionsgeschichte haben und die in Labor hergestellt werden müssen um unser Essen geschmackintensiver und langhaltender zu machen, und bewegen uns insgesamt wenig. Um all diesen Prozessen entgegenzuwirken, haben wir Fitnesszentren und andere Sportangebote, Vitamin D- und anderen Vitaminpräparate, Möglichkeiten wenigstens gelegentlich Solarien zu besuchen. Vor allem, haben wir das Bewusstsein, dass unsere Bemühungen dem Original nicht gleich kommen und bestenfalls nur gute Imitate sind. Und wenn schon? Ist die Zweitlösung nicht besser als gar keine Bemühung, unseren Ur-Bedürfnissen möglichst gerecht zu werden?

 

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4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

Ein Kommentar

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