Kinder auf Abwegen

Warum driften Kinder – Teenager – ab? Für viele von uns Eltern die Horrorvorstellung, für die Jugendlichen jedoch Teil einer notwendigen Auseinandersetzung.

Einfach mal alleinsein Wollen oder schon auf Abwegen?

Für viele Eltern eine Horrorvorstellung: Das eigene Kind verändert sich in der Pubertät und wird uns fremd. Nicht einfach selbständig und erwachsen, vielmehr meint und tut es Dinge, die wir selbst für falsch halten. Warum driften Kinder – Teenager ab? In Sekten, in Jugendgangs, in Konsumräusche, Kleinkriminalität, Drogenmissbrauch? Mich hat das schon als Jugendliche beschäftigt, als Leute, die ich gut zu kennen meinte, von denen ich geglaubt hatte, sie würden mich mögen, mir innerhalb kürzester Zeit völlig fremd wurden und mir das Gefühl gaben, ich sei ihnen komplett wurscht.
Als Mutter von Teenagern gehe ich mit diesen Ängsten souveräner um. Aber souverän genug? Was ist wenn… meine Teenager merken, dass ihre Faszination für Grufties mich beunruhigt, ihr Spaß an Marihuana mir einen Schrecken einjagt, ich mich hilflos fühle, wenn die Risiken von Alkohol einfach kleingeredet werden? Eines ist ja klar: Es gilt das Gebot der Gelassenheit. Wenn ich nun aber nicht gelassen bleiben kann? Pokerface aufsetzen, Distanziertheit heucheln, Nachfragen ins Beiläufige umdirigieren? Nicht zeigen, dass ich eigentlich unbedingt eingreifen möchte? Das Ganze kann ja auch ein Test sein: Meinen meine Eltern es wirklich ernst, wenn sie mich, den Jugendlichen wie einen Erwachsenen behandeln? Stimmt es tatsächlich, dass auch ich als Teenager für meine Entscheidungen die Verantwortung übernehmen muss?
Wir hatten mehrmals ganz früh Hilfe gesucht und Kontakt zu den (im Land Berlin den Jugendämtern angegliederten) Erziehungsberatungsstellen des Stadtbezirks aufgenommen. Das hatte eigentlich auch stets sehr gut geklappt und vor allem unsere Nerven beruhigt: Jemand mit breiteren Erfahrungen schaut „von außen“ auf das Geschehen und kann es objektiv einordnen. Wieviel Prozent einer Altersgruppe haben überhaupt schon Kontakt zu – zum Beispiel – Drogen? Bei wie vielen bleibt es beim „nur mal ausprobieren“? Wie groß ist (statistsich gesehen) das Risiko, dass dies der Einstieg in eine Drogenkarriere ist? Schon die Fragen, die Sozialpädagogen oder Psychologen in solchen Gesprächen stellen, veränderten unseren Blick auf die Situation: Was war für die Familie insgesamt stressig? Waren wir als Eltern viel mit uns und unseren Berufen beschäftigt? Haben die anderen Kinder besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt bekommen?
Ganz hart wird es, wenn es um die Suche nach Lebensorientierung geht: Was ist richtig, was falsch? Worin besteht der Sinn des Lebens? Das sind die ganz grundsätzlichen Fragen, die sich in diesem Lebensabschnitt stellen und von denen die meisten Jugendlichen noch nicht ahnen, dass sie sie viele Jahre, vielleicht ein Leben lang begleiten werden. Auch klar, dass die ersten Antwortversuche nicht auf Anhieb gelingen müssen, sondern die Gewissheiten, die einen durch die Kindheit begleitet haben, schwer erschüttern und Ratlosigkeit und Eisamkeit produzieren. Dann beginnt eine Zeit des Suchens
Warum tun Jugendliche das? Warum beschließen ganz normale Mädchen aus, sagen wir mal Mönchengladbach, nach Syrien zu gehen und sich dem IS anzuschließen? Mangelnde Information? Niedriger Bildungsgrad? Miese Sozialprognose? Romantische Vorstellungen vom „wahren Leben“? Der Wunsch, dem eigenen Leben einen Sinn zu verleihen, verbunden mit der Verachtung einer Erwachsenenwelt, die dies anscheinend nicht tut? Wie holt man junge Erwachsene da wieder heraus? Mit dieser Frage beschäftigen sich inzwischen internationale Konferenzen:

„Nicht weil sie arm, sondern weil sie sauer sind“ Wie erreicht man Jugendliche, die sich Terrorgruppen anschließen wollen? Aktivisten aus 45 Ländern berichten auf der Konferenz „Global Youth Summit“ von ihren Versuchen. Süddeutsche Zeitung

Wer sich da einmal verlaufen hat, für den wird es offensichtlich ganz schwer, ohne Hilfe wieder herauszufinden.
Aber Hilfsangebote gibt es:
Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen
Leitstelle für Sektenfragen im Land Berlin
Violence Prevention Network
Betreuung von Dschihadrückkehrern

Artikel von

2 Töchter, 1 Sohn, verheiratet, Online-Redakteurin, Coach

Hallo,
Bitte hinterlassen Sie uns einen Kommentar.

Die Motherbook-Autoren versuchen, alle unerwünschten Beiträge fernzuhalten. Trotzdem ist es uns nicht möglich, alle Beiträge zu überprüfen. Motherbook kann deshalb nicht für den Inhalt der Beiträge verantwortlich gemacht werden. Jeder Nutzer trägt für seine Beiträge die Verantwortung. Wir weisen darauf hin, dass Beiträge, die gegen geltendes Recht verstoßen, auch im Internet der Strafverfolgung unterliegen und zur Anzeige gebracht werden können.

Kommentar hinterlassen

css.php