Lohnt es sich zu lernen?

Florenz mit Teenagern - Motherbook

Wie wir aus Alice in Wonderland wissen, ist „the best thing to begin with the beginning“. Aber aller Anfang ist schwer.

Das zeigt sich besonders, wenn Kinder das Lernen lernen müssen um den Eintritt in die Welt zu finden.

Schwer, die Kinder zu interessieren, finden wir, aber dann kam das Schlüsselerlebnis:

Wir sind zu einer Konferenz nach Fiesole bei Florenz gefahren, wo die Georgetown University ein großes,  umwerfend schönes Anwesen besitzt – eine Konferenz mit einigen Koryphäen aus der Wissenschaft und 15 ausgesuchten Studenten mit herausragenden Leistungen, mit Zukunft. Eine anregende Mischung, die eine besondere Atmosphäre verbreitete.

Wir haben unsere beiden Töchter  mitgenommen, weil wir sie seit ein paar Jahren, genauer gesagt, mit dem Eintritt in die Pubertät, gerne an die besonderen Orten dieser Welt bringen, durchaus verknüpft der Hoffnung, dass solcherlei Reisen etwas in ihnen freistößt, das sich als vehementes Interesse fortsetzen möge. Dieser elterliche Wunsch hat solche Reisen auch schon zu Enttäuschungen werden lassen, und uns als Eltern an die Frage gestoßen, ob unsere Erziehung wohl geglückt sei.

Es war zunächst das übliche Vergnügen: hier ein florentinischer Hut, dort ein feenhaftes Gewand, Ansichtskarten, Straßencafés und zuweilen gelangweilte Gesichter – bei den Töchtern. Die überwältigende Architektur links und rechts allenfalls ein geeigneter Schattenspender beachtet.

Aber dann kam es zur Begegnung mit den gestandenen Professoren, die unsere Mädchen ganz wie erwachsen angesprochen haben. Nicht nur, als sehr überzeugende Erscheinungen einer neuen, begehrenswerten weiblichen Generation, sondern in der Voraussetzung ihres schier unerschöpflichen Interesses an den Geschehnissen der Welt. Dann die Studenten, eine Zahl handverlesener, sehr junger Männer, die unsere Töchter zwar wie erwartet als Weichzeichnung ihres Tagesentwurfs sahen, aber eben doch vor allem auch auf Augenhöhe einbezogen. Vor allem für die Ältere war dies eine wichtige Erfahrung – nicht nur für den Augenblick, der sie betörte, sondern sie realisierte, dass diese Aufmerksamkeit etwas in ihr aufschloss: Diese Studenten waren nicht nur begabt und blendend aussehend wie eine Suggestion von Ralph Lauren, sondern sie haben so ganz offensichtlich aus ihrem bisherigen Leben etwas Großartiges gemacht. Sie haben sich durch Leistung ein Stück Freiheit erschlossen, dort sein zu können, wo man weder „Nerd“ ist noch „chillen“ muss, sondern wo Leistung vor allem ein gutes Gefühl für den Selbstwert darstellt.

Mit stiller Freude haben wir auf der Rückfahrt beobachtet, wie die Töchter beide mit diesen Eindrücken umgingen. Die Ältere zeigt sich entschlossen, ein Einser Abitur zu machen – und ein Stipendium, natürlich und am besten an der Georgetown University. Warum nicht gleich im Sommer für ein paar Wochen noch vor dem Abitur? Und die Jüngere wollte zumindest das Klassenziel erreichen bzw. hat das zum ersten Mal so formuliert.

Ob das wohl anhält? Unser Eindruck: Es hält – weniger an der Oberfläche, als im begleitenden Bewusstsein. Das Fazit: Kinder brauchen Schlüsselerlebnisse, um den Eintritt in die Welt zu finden und zu wissen, warum sie lernen. Übrigens – heute meldete sich die Ältere aus China – von der (anstrengenden) Großen Mauer. Wir sind gespannt.

Artikel von

2 Töchter, verheiratet, Inhaberin einer Agentur für Kunstvermittlung und Kulturveranstaltungen.

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