Mama muss die Welt retten!

Mama muss die Welt retten

Ich musste ich erst einmal laut lachen, als ich das las – gemeinsam mit meinen beiden inzwischen 21 und 13 Jahre alten Töchtern. Das Gefühl, hier jetzt sofort die Welt retten zu müssen, kenne ich gut: Tilly greift beim Glas sicher gleich wieder fahrig daneben und der O-Saft wird auf Omas Sofa und Teppich landen; Toni hat sich im Sport den Arm gebrochen und wird gerade jetzt, wo ich zur Arbeit aufbreche, ins Krankenhaus gefahren. Ob Treppenstürze, in Kinderzimmern verhungernde Goldhamster oder mit langen Haaren verstopfte Duschabflüsse – Mama muss die Welt retten – auf der Stelle!

Wie aber rettet Mama ihre eigene Welt? Nur weil sie Kinder hat, hat sie sich als Person ja nicht aufgegeben. Diese Frage beantwortet das soeben bei Aufbau erschienene Buch von Caroline Rosales und Isa Grütering: Mama muss die Welt retten.

Eigentlich sind das drei Bücher in einem: ein Selbsterfahrungsbericht, eine Reihe von Mütterporträts und ein Ratgeberbuch.

Erst einmal berichtet Carolin von ihrer eigenen Verwandlung von der motivierten, hoch mobilen, super leistungsfähigen Journalistin zur Babymama, die aber ihre beruflichen Ambitionen nicht begraben will.

Zudem interviewen die beiden Autorinnen andere Mütter, die zum Teil aus der Elternzeit heraus eigene Unternehmen gegründet haben, und die mit Kind, dafür aber teilweise ohne Mann Kind, Haushalt, die Firma und das eigene Leben zu bändigen versuchen.

Darüber hinaus ergeben sich aus den mit den Frauen geführten Interviews Empfehlungen für den Umgang mit der hochkomplexen Situation. Diese sind in der Art des klassischen Ratgebers von Frauen für Frauen formuliert: als Rezepte quasi zum Nachkochen. Wie gründe ich einen Blog? Wie bewältige ich mein Studienpensum mit Säugling? Wie gründe ich eine Agentur, einen Webshop, eine Kita?

Besonders lesenswert erscheinen mir, auch wegen des eigenen Berufs, die letzten beiden Abschnitte. Die beschäftigen sich nämlich aus der Sicht einer Spezialistin für’s weibliche Netzwerken und aus der Perspektive einer der Autorinnen mit der für mich spannendsten Frage: Wie kann man das alles in der Balance halten? Was muss Mama für sich tun, damit ihr Altruismus nicht Substanz verzehrend wirkt?

Die drei Bücher helfen sich gegenseitig: Was mich an Selbsterfahrungsbüchern oft nervt, ist ihre Larmoyanz und ihre mangelnde Anwendbarkeit auf das eigene Leben. Das aber fangen hier die Porträts und die Checklisten auf. Was an Ratgeberbüchern oft stört, ist ihre Trockenheit und die Tatsache, dass die Leserin sich mies fühlt, wenn sie es nicht schafft, die Ratschläge selbst umzusetzen; das aber fängt die Vielfältigkeit der Erfahrung auf. Porträts schließlich werden ja oft aus einer zwar empathischen aber eben auch distanzierten Grundhaltung geschrieben. Bei diesen Porträts aber scheint der Antrieb der Wille zum Lernen voneinander zu ein.

Prima Buch! Unbedingt lesen und weiter sagen!

Caroline Rosales, Isa Grütering: Mama muss die Welt retten, erschienen bei Aufbau Taschenbuch (ISBN: 978-3-7466-2988-9 / 8,99 € )

Artikel von

2 Töchter, 1 Sohn, verheiratet, Online-Redakteurin, Coach

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