Mit dem Engels-Enkel im Salto rückwärts auf eine neue Zeitebene – #momsrock

Ende letzte Jahres passierte mit mir etwas vollkommen Unerwartetes.

Mein Enkel war gerade wenige Wochen alt und seine Mutter wollte ihre Uni-Seminare weiter besuchen. Ich übernahm den frisch gestillten kleinen Engel mitsamt Kinderwagen, brachte meine Schwiegertochter noch zu ihnen Seminar-Raum in der Silberlaube der FU-Berlin, um zu wissen wo ich sie im Notfall finden würde. Dann zog ich los. Der Campus schien mir sehr vertraut, war doch in diesem Gebäude u.a. die zu meiner Studienzeit modernste Mensa weit und breit eröffnet worden, in der ich nachmal Mittagspause gemacht hatte. Da gab es frische Salate und erste Bio-Gerichte. Der Weg von hier zu meinem Fachbereich war nur wenige Minuten lang und führt durch ein grünes schönes Wohngebiet.

Mit dem Enkel über den Campus – Motherbook

Ich entschloss mich also diesen mir so vertrauten Pfad durch das letzte Herbstlaub schlendernd anzutreten. Meine Gedanken purzelten mir durch meinen Kopf. Nie in den letzten Jahren hatte ich in so viel ungeplante Zeit vor mir. Diese zwei nächsten Stunden warfen mich komplett aus meinem durchgetakteten Zeitempfinden heraus. Ich konnte nichts machen, außer meinen kleinen Enkel sanft schlafen zu lassen – wie lange das auch immer dauern würde.

Auf dem Weg zu meiner alten Uni bekam ich plötzlich ein Kribbeln im Bauch und begann mich zu freuen, habe ich doch meine Studenten-Zeit sehr genossen. Das Hauptgebäude des juristischen Fachbereiches mit der Bibliothek und den großen Vorlesungssälen wirkte zunächst vollkommen unverändert und es traf mich wie ein Blitz: das letzte Mal war ich hier genau vor 30 Jahren, am Tag vor der Abgabe meiner Examenshausarbeit, hochschwanger, kurz vor der Geburt meines ersten Sohnes!! Und nun lief ich hier durch die „Wandelhalle“ – so heißt der große Flur vor der juristischen Bibliothek – kurz nach der Geburt des Sohnes meines großen Sohnes und plötzlich erschien mir das alles wie ein Wunder…

Alle Gefühle und Gedanken, die ich am Ende meines Studium hatte, waren wie auf Knopfdruck wieder da. Hatte ich doch große Pläne, gepaart mit großem Optimismus. Meine Prüfungsängste hatte ich dank der Schwangerschaftshormone gut im Griff und ich meinte zu wissen, wie alles weiter gehen wird. Nun lagen 30 Jahre zwischen diesem und dem letzten Besuch in diesem Gebäude und diese Jahre kamen mir in diesem Moment so unglaublich kurz vor und gleichzeitig so bunt und prall gefüllt mit Leben. Alles war ganz anders gekommen, als ich es erwartet hatte. Meine „Kariere“, die ich mir vorgenommen hatte, lief so ziemlich entgegengesetzt zu meinen Erwartungen.

Diese 30 Jahre waren gefüllt mit über 100 Kindergeburtstagen meiner vier Kinder, mit ungezählten Nächten mit extrem wenig Schlaf, mit unerwarteten Glücksmomenten, kleinen und größeren Sorgen, mit hunderten Litern Muttermilch-Produktion, viel Liebe, vielen bestandenen Prüfungen eines jeden Einzelnen von uns, mit einer unglaublichen Menge neu gelernter Lebens-Lektionen, mit dem Erwerb neuer nutzvoller Kompetenzen, mit unerwarteten Erfolgserlebnissen, mit extrem und unerwartet viel in unserer Küche verbrachter Zeit, mit bunter Kreativität, Spontanität, Offenheit und gelernter Fexibilität, mit bis dahin völlig unbekannten Lernfeldern und vielem mehr.

Plötzlich fühlte ich mich nahezu überwältigt von einem großen Gefühl der Dankbarkeit für diese kostbare Zeit zwischen diesen beiden Besuchen an diesem Ort und da war so etwas wie ein erhabenes Wertgefühl für Leistungen in meinem Leben, die mir bis dahin einfach nur als aus der Situation heraus zwingend notwendig erschienen waren.

Seit ich nach dem Rückweg wieder in mein jetziges Leben eintauchte, bin ich nachhaltig verändert und sehe meine „Kariere“ mit anderen Augen. Mein ganzer Clan, der durch mich um mich herum entstanden ist, erscheint mir wie ein großes Geschenk des Schicksals. Mit meinem Enkel beginnt die nächste Etappe und es ist absolut erstaunlich, welche intensiven Reflexion-Prozesse er bei mir echo jetzt angestoßen hat.

Da fällt mir ein: Dieser Beitrag passt in in die Blogparade #momsrock vom Blog Lucy Marshalls zum Thema „Good Vibes“, Eigenlob und „Das habe ich wirklich gut gemacht!“ – Mütter loben sich nicht gerade oft selbst und das sollten wir ändern!

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Artikel von

4 Kinder, 1 Enkel, 1 Ehemann, Mompreneur: Gründerin der AKADEMIE FÜR MATRISOPHIE® mit MOTHERBOOK®, BLOMM + ...

Ein Kommentar

  1. Katrin
    Katrin at | | Rückmeldung abgeben

    Wirklich gut gemacht. Alles!
    Vielen Dank für den schönen Text. Hoffentlich werde ich mich dran erinnern wenn es mal wieder total hektisch, laut, nervig und gerade nicht so schön ist. Und hoffentlich werde ich genauso denken wenn meine Kinder groß sind.

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