Vereinbarkeit geht so nicht!…aber vielleicht anders?

Wir lesen es wöchentlich und die meisten leben es täglich: Vereinbarkeit funktioniert nicht. Vor allem nicht mit unseren herkömmlichen Arbeitsmodellen. Die Alternative, zu Hause zu bleiben und die Kinder zu hüten ist auch nicht immer eine machbare eine Option, denn entweder kann man sich das schlichtweg nicht leisten, riskiert dadurch in der Karrieresackgasse zu landen oder arbeitet einfach zu gerne und möchte das nicht aufgeben.

 

Wenn man sich also für Familie und Arbeit entscheidet gelangt man schnell Vereinbarkeits-Verlierer-Strudel. Nicht genug Zeit für die Karriere, zu wenig Zeit für die Familie, schlechtes Gewissen und gar keine Zeit mehr für sich selbst. Darüber klagen sehr viele Mütter.  Das Thema Burnout wird immer häufiger, auch bei Müttern, diagnostiziert. Die Politik schafft Maßnahmen, die nur wenige wirklich zufrieden stellt und nie den Kern des Problems unserer familienunfreundlichen Gesellschaft erreicht.

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Viel wichtiger finde ich jedoch mal einen Blick auf die Wirtschaft zu werfen, denn solange sich dort in Sachen Familienfreundlichkeit und Vereinbarkeit nichts bewegt, wird es auch keine gesellschaftlichen Veränderungen nach sich ziehen. Familienfreundlichkeit ist ja neuerdings der große Renner im HR-Marketing und beim Talente-Fang vieler Firmen. Doch was gesagt wird und was gelebt wird, sind zwei völlig verschiedenen Paar Schuhe. Mir hat mal ein Personalberater gesagt, dass ich mit einem Master, meiner Berufserfahrung und meinem kleinen Kind für keine Firma attraktiv bin. Zwar wäre mein Profil sehr spannend und vielversprechend aber mein Anhang und mein gebärfähiges Alter eben nicht. Und, ganz ehrlich, rein rechnerisch kann ich das sogar nachvollziehen. Familien, vor allem wachsende, sind gerade für kleine und mittelständische Firmen ein ernstzunehmender Kostenfaktor.

 

Was wir brauchen, sind also nicht noch mehr Diskussionen, dass das alles nicht funktioniert, oder politische Maßnahmen, die an den falschen Stellen Signale senden, sondern ernstzunehmende neue Arbeitsmodelle, die für alle Beteiligten attraktiv sind. Drei Ideen dazu habe ich mir mal genauer angeschaut:

 

Arbeitsplatz teilen durch Tandemploy

 

Jobsharing bedeutet, man arbeitet eng zusammen und teilt sich vorrübergehend oder auch langfristig eine Vollzeitstelle. Ein Modell, das Arbeit familienfreundlicher, abwechslungsreicher und inspirierender machen kann. So kann man aus einer familienunfreundlichen Stelle eine familienfreundliche machen, muss den Arbeitgeber nicht auf eine Teilzeitstelle runterdrücken und kann gemeinsam in der Anstellung trotzdem Großes bewegen. Tandemploy will dieses Konzept  seit 2013 auch in Deutschland etablieren und hat gerade erfolgreich eine Growdfunding-Kampagne beendet. Ein tolles Geschäftsmodell mit viel Potential – wie ich finde.

 

Gemeinsam arbeiten und gemeinsam Kinder großziehen durch Rockzipfelprojekte

 

Rockzipfel-Büros gibt es mittlerweile schon in mehreren Städten in Deutschland. Angefangen hat alles mit Rockzipfel Leipzig: Hier hat sich eine Gruppe von selbstständigen Eltern mit kleinen Kindern zusammengetan, um ein Eltern-Kind-Büro für Selbstständige zu eröffnen. Bei Rockzipfel geht es darum, so wenig Trennungen vorzunehmen wie möglich: Arbeit und Spaß, Eltern und Kind, Betreuung und Arbeit, Betreuung und Spaß, Umgang mit Kindern und Spiel mit Kindern – das sind alles Dinge, die nicht voneinander getrennt werden müssen. Die Kinder werden gemeinsam durch alle Eltern und Freiwillige abwechselnd betreut. Wer Lust hat kann auch gemeinsame Freizeit mit den Kindern verbringen – so stehen zb. gemeinsame Essen auf der Tagesordnung. Für selbstständige Eltern, die trotzdem sehr nah an ihrem Kinder sein wollen und können, ist das sicherlich ein tolles Arbeitsmodell und ich hoffe, dass es in Zukunft noch mehr davon geben wird.

 

Arbeiten und Kind – professionell und trotzdem ganz nah beieinander im Coworking Toddler

 

Einen Schritt weiter geht der in Berlin gegründete Coworking Toddler, indem er sowohl Selbstständigen, als auch Angestellten, die Möglichkeit geben will, in der Nähe ihrer Kinder zu arbeiten. Dieses (noch nicht geöffnete) Projekt will neben den professionellen Coworking-Arbeitsplätzen auch verschiedene Kinderbetreuungsmodelle anbieten: Es soll ein Kita, flexible Stundenbetreuung und Eltern-Kind-Büros geben. Besonderen Wert legen die Gründer dabei auf ein spezielles bindungsorientiertes pädagogisches Konzept.  Der neue Ansatz auch die Unternehmen mit an Board zu holen, begründen sie folgendermaßen: Dadurch soll Eltern, die in unmittelbarer Nähe ihrer Kinder arbeiten können, der frühe berufliche Wiedereinstieg erleichtert werden. Auch aus Sicht der Unternehmen bietet der Coworking Toddler Vorteile: Mitarbeiter kehren wieder frühzeitig an den Arbeitsplatz zurück, kostenintensive Elternzeit-Vertretungen werden verkürzt. Dem Home-Office weicht ein professionelles Arbeitsumfeld, in dem auch Meetings, Konferenzen und Kundentermine stattfinden können. Wenn das Konzept tatsächlich so umgesetzt werden wird, wie versprochen, dann wäre es das erste Modell in ganz Deutschland, welches alle wirtschaftlichen Interessengruppen ins familienfreundliche-Boot holt. Das klingt doch wirklich vielversprechend.

 

Ich finde es sehr ermutigend, dass es zunehmend alternative Arbeitsmodelle geben wird, die Familienfreundlichkeit wirklich leben und Work-Life-Balance nicht nur auf ihren Werbeversprechen stehen haben. Wenn ihr noch alternative Konzepte kennengelernt habt, von denen hier nicht die Rede ist, schreibt uns oder kommentiert diesen Artikel und ich werde sie gerne noch ergänzen.

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

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