Was ich anders machen würde, wenn ich wieder schwanger wäre

Ich denke oft und viel über meine erste Schwangerschaft und Geburt nach. Ich reflektiere sie immer und immer wieder mit all dem neuen Wissen, was sich so ansammelt, wenn man es eben schon Mal gemacht hat. Und ich denke auch deswegen immer wieder darüber nach, was ich bei einer erneuten Schwangerschaft anders machen würde. Heute möchte ich gerne einige dieser Erfahrungswerte aufgeschrieben.

Ulrike schwanger

1. frühe Begleitung

In meiner Schwangerschaft hatte ich gerade die ersten 3 Monate ständig Angst, dass etwas passieren würde und habe mit Allem möglichst lange gewartet – auch mit der Suche nach einer Hebamme. Dies würde ganz sicher das nächste Mal anders machen. Das hat verschiedene Gründe. Zum Einen muss man sich aufgrund der aktuellen Hebammensituation grundsätzlich viel früher um eine Hebamme bemühen, zum Anderen kann man schon von Anfang an auch durch eine Hebamme begleitet werden. Sie kann ebenso eine Stütze sein, wenn nicht alles gut geht und bietet eine individuelle und alternative Betreuung zum Frauenarzt an.

 

2. Weniger kaufen

Ich habe von meiner Tochter immer noch Sachen in unserer Wohnung rumfliegen, die ich in nie verwendet habe. Geschirrspüleinsatz für Flaschen, Sterilisator für die Mikrowelle, Trinkflaschen, Nuckelketten etc. Auch die Menge an Kleidung und Schnickschnack möchte ich nicht noch einmal unnötig von A nach B räumen müssen. Große Anschaffungen, die ich nicht lange brauche, würde ich mieten oder ausleihen – denn auch der Wiederverkauf ist zeitintensiv. Ich würde mir natürlich doch hin und wieder etwas gönnen aber es eben auf Lieblingsstücke beschränken und die Masse durch Klasse ersetzten.

 

3. Mehr auf den Bauch hören

Neulich sagte jemand zu mir: Weißt du wie albern es ist, wenn Frauen auf den Ultraschallbildschirm zeigen und vor Rührung weinend sagen „ schau, da ist mein Baby!“ als würde dieses in dem hochtechnischen Gerät wohnen. Dabei tragen sie es die ganze Zeit unter ihrem Herzen. Bei meiner Schwangerschaft habe ich immer darauf gewartet, dass der Arzt mir sagt, wie es „uns“ so geht. Jetzt weiß ich, was für ein Riesenquatsch das ist. Denn der Arzt kann nur Momentaufnahmen machen und wie es uns geht, weiß ich doch eigentlich am besten. Ich würde das nächste Mal mehr auf mich und meine Bedürfnisse und meinen Bauch hören, anstatt mir sagen zu lassen, was richtig und falsch mit mir und dem Baby ist.

 

4. Hilfe einfordern und Zeit geben

Damals wollte ich alles selber machen. Schwanger bin ich noch schnell zum Auslandsstudium mit dem Nachtzug in die Niederlande gedüst und als das Baby da war bin ich am zweiten Tag vom Krankenhaus nach Hause gelaufen. Ich habe mich total überschätzt und auch kurze Zeit später die Rechnung dafür bekommen. Beim nächsten Mal würde ich mir mehr Hilfe holen und Zeit geben. Ich würde ganz in Ruhe schwanger sein wollen, um mich an den neuen Umstand zu gewöhnen und auch das Wochenbett viel ernster nehmen.

 

5. Der Mann muss nicht dabei sein

…aber er kann natürlich. Ich liebe meinen Mann und er ist ein Superduperpapa, aber bei der Geburt  war er genauso müde und überfordert wie ich. Ich glaube mittlerweile, dass es einen Grund hat, warum Geburten Jahunderte lang von geburtserfahrenen Frauen begleitet wurden und nicht von ihren Männern. Ich denke dass Hebammen und Doulas und andere geburtserfahrene Unterstützerinnen zu einer Geburt gehören, aber nicht zwingend der Partner. Das nächste Mal würde ich ihn nicht in die Pflicht nehmen. Er muss nicht, aber er kann. Ich würde mir aber auf jeden Fall eine professionelle Geburtsbegleiterin suchen, die rundum und nur für mich da ist. Denn allein das kann die Kaiserschnittrate um 50% senken.

 

Das sind die Dinge, die ich schon jetzt ändern würde, sollten wir weiteren Familienzuwachs bekommen. Wie genau die Realität erst aussieht und was ich noch ändern würde, werde ich erst wissen, wenn es soweit ist. Wie geht es Euch denn? Würdet ihr auch etwas anders machen oder habt ihr in der zweiten, dritten, vierten, etc Schwangerschaft etwas anders gemacht? Ich bin gespannt.

Artikel von

Jungmutter einer kleinen Tochter, Mompreneuer, Master in interkultureller Kommunikation, ausgebildete Mediatorin

Ein Kommentar

  1. Judica Jöchner
    Judica Jöchner at | | Rückmeldung abgeben

    So treffend und so wichtig! Danke für den Artikel.
    Gerade der Punkt „Hilfe einfordern“ ist mein Thema. Ich habe es selbst mühsam lernen müssen. Inzwischen arbeite ich als Hilfe für neugeborene Mütter. Als FamilienLotSinn (dem niederländischen System der Kramzorg nachempfunden) leiste ich einfühlsame und tatkräftige Unterstützung rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett. Ich wünsche mir, dass mehr Mütter von dieser Möglichkeit erfahren und sie auch nutzen.
    http://www.muetterpflege.de

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